Montag, 2. Februar 2009

Tschetschenen-Mord: Staatsanwaltschaft verhängt über fünf Verdächtige U-Haft

  • Verdächtigen wird Beihilfe zum Mord zur Last gelegt
  • Auch mutmaßlicher Fluchthelfer bleibt voerst in U-Haft

Nach dem Mord an dem Tschetschenen Umar Israilov in Wien ist über fünf Verdächtige die U-Haft verhängt worden. Auch der mutmaßliche Fluchthelfer Otto K. bleibt vorerst in Gewahrsam. Grund sei der dringende Tatverdacht gegen die Männer, die ebenfalls aus Tschetschenien stammen. Ihnen wird neben Beihilfe zum Mord das Schmieden eines Komplotts und die Beteiligung an organisierter Kriminalität zur Last gelegt.

Ob die Verdächtigen aus Niederösterreich und Wien Helfer gewesen sein sollen oder auch einer der mutmaßlichen Mörder bereits in Haft ist, stand noch nicht fest. Die Spurenauswertung sei noch nicht abgeschlossen, hieß es. Untersucht werden unter anderem DNA-Spuren auf einer beim Tatort gefundenen Tarnjacke sowie bei Hausdurchsuchungen sichergestellte Patronenhülsen, passend zur Tatwaffe. Ein Geständnis hat bisher keiner der Verdächtigen abgelegt.

Verlängerte U-Haft für Fluchthelfer
Auch die U-Haft über den mutmaßlichen Fluchthelfer Otto K. ist verlängert worden. Der 40-jährige Tschetschene ist der Besitzer des Wagens, mit dem die Mörder nach der Tat am 13. Jänner abgeholt worden sein sollen. "Die U-Haft ist fortgesetzt worden", sagte eine Gerichtssprecherin. Auf Rechtsmittel seitens der Verteidigung wurde verzichtet.

Bisher bestreitet der Tschetschene Otto K. jeglichen Zusammenhang mit dem Mord. Er wurde wenige Stunden, nachdem der 27-jährige Israilov in Wien-Floridsdorf auf offener Straße erschossen wurde, festgenommen. Die Polizei schnappte den Mann auf einem Parkplatz im Raum St. Pölten. Der Fluchtwagen war zuvor geparkt vor einem Wiener Supermarkt nicht unweit des Tatorts entdeckt worden. Die nächste Haftprüfung findet in einem Monat statt.

Spekulationen über Mordmotiv
Umar Israilov war am 13. Jänner in Wien-Floridsdorf vermutlich von zwei Männern durch drei Schüsse getötet worden. Der politische Flüchtling hatte seit dem Sommer 2008 mehrmals um Polizeischutz gebeten. Die Familie des Opfers sprach nach der Tat von einer Verfolgung des 27-Jährigen durch Männer des pro-russischen Tschetschenen-Präsidenten Ramsan Kadyrow. Weiters fand sich der Name des Mordopfers auf einer Liste im Internet, die angebliche Zielpersonen des russischen Geheimdienstes anführt. Die Staatsanwaltschaft beurteilte mögliche politische Motive bisher als Spekulationen und Annahmen.

Kurz nach dem Mord verhaftete die Polizei in St. Pölten einen 40-jährigen Tschetschenen, der das Fluchtfahrzeug gefahren haben soll. Er befindet sich in U-Haft und bestreitet jeden Zusammenhang mit der Tat. Rund zwei Wochen nach der Tötung Israilovs wurden bei 18 Hausdurchsuchungen sieben weitere Verdächtige festgenommen. Zwei davon wurden bereits wegen mangels an Beweisen wieder freigelassen.
(apa/red)

2.2.2009 14:39