Debatte um Islamlehrer erfasst Österreich:
Neuer Kulturkampf in den Klassenzimmern?
- Was wirklich hinter der umstrittenen Studie steckt
- Experten sehen aber keineswegs Unvereinabrkeit

Er habe mit der Studie keineswegs provozieren wollen. Das politische Ausmaß der Studie war dem Autor wohl zunächst nicht bewusst. Doch mit der Vorabveröffentlichung der Ergebnisse traf Mouhanad Khorchide einen wunden Punkt der Gesellschaft: Der Umgang mit der - vor allem eingewanderten - muslimischen Minderheit in Österreich. Und diese Debatte fördert Kurioses zutage. Politische Gegner, wie etwa Grüne und FPÖ, kritisieren gleichermaßen den islamischen Religionsunterricht.
Die Ergebnisse schlugen ein wie eine Bombe: Über zwanzig Prozent der islamischen Lehrer würden die Demokratie ablehnen, weil diese mit dem Islam nicht vereinbar wäre. Die Veröffentlichung glich einem Stich ins Wespennest. Khorchide, der selbst als Islamlehrer und Imam tätig ist, lieferte Stoff für harte Kritik an der islamischen Glaubensgemeinschaft. Der Ruf nach Rücktritt des Präsidenten der IGGiÖ, Schakfeh, wird immer lauter.
Islam und Demokratie
Die Verunsicherung in der österreichischen Gesellschaft ist groß. Sind Islam und Demokratie tatsächlich nicht vereinbar? Experten mahnen zur Bruhigung: Nach Ansicht der Islamexpertin Gudrun Krämer haben die Kernthemen von Demokratietheoretikern und "Good - Governance - Advokaten" in islamischen Konzepten Platz und können in diese integriert werden. Man solle die Frage nach "Demokratie und Islam" nicht zu "eng halten", da man sonst keine Antworten erhalte, sagte Krämer. Sie meinte außerdem, dass sogar auf die Scharia gestützte Staaten als "Rechtsstaaten" bezeichnet werden können.
Der Islam sei ein "System" meinte Krämer. Das System biete den Muslimen Weisungen für alle Lebensbereiche und als Kennzeichen dafür nannte sie die "Scharia" die, "in holprigem Deutsch", als "Gesetz" übersetzt werden kann. Der Staat im Islam strebe nach "Ordnung", weswegen es eine Staatsgewalt bedarf, so Krämer. In weiterer Folge betonte sie, dass es unterschiedliche Islamische "Richtungen" gäbe, wobei die sich einig seien, dass das Staatsoberhaupt eines islamischen Landes ein Muslim sein müsse.
Zweifel an Methoden
Wie kam also der Autor der Studie zu seinem Ergebnis? Bildungsexperten an der Universität Wien erheben maßgebliche Einwände gegen seine Methoden. Stefan Hopmann von der Universität Wien etwa meint, dass hier "in einer Art und Weise Aussagen über Einstellungen und Haltungen konstruiert werden, die wissenschaftlich unhaltbar sind". Die Feststellung des Studienautors, dass angeblich viele Islam-Lehrer demokratiefeindliche und fanatische Positionen einnehmen, sei auf Grundlage dieser Studie "wissenschaftlich gesehen schlichter Unfug".
Entscheidender Punkt der Kritik ist die Konstruktion der Fragestellungen. in ihnen wird schon a priori der Gegensatz zwischen Islam und Demokratie unterstellt. Außerdem fehlt etwas entscheidendes für sozialwissenschaftliche Studien: die Vergleichsgruppe. "In den allermeisten Fällen sei zu vermuten, dass entsprechende Aussagen nicht-muslimischer Lehrkräfte bezogen auf ihren jeweiligen Glauben nicht viel anders ausfallen würden", meint Hopmann.
Was von der Skandalstudie zurück bleibt sind eigenwillige politische Konstellationen. So stoßen nun auch die Grünen in jenes Horn, dass sonst von FPÖ und BZÖ bedient wird. Harald Walser forderte umgehend den Rücktritt Schakfehs: "Es darf nicht sein, dass in Österreich mit öffentlichen Mitteln Schulbücher gedruckt werden, in denen der Märtyrer-Tod als erstrebenswert dargestellt wird und mit dem Paradies belohnt werde."
(apa/red)
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