Mittwoch, 28. Jänner 2009

Österreich schnürt Paket für Osteuropa:
Stabilisierung soll faule Ostkredite retten

  • Banken investierten bisher 230 Milliarden Euro
  • Allianz der Investorenländer soll Rettung bringen

Die Regierung hat angesichts des starken österreichischen Engagements ein Hilfspaket für Osteuropa angekündigt. Über konkrete Zahlen wollten Bundeskanzler Faymann und sein Vize Pröll nichts sagen. Österreichs Banken vergaben in Osteuropa Kredite von 230 Milliarden Euro. Die Stabilisierung der Wirtschaft dieser Länder würde auch österreichischen Banken nutzen, so die Regierungsspitze.

Geplant sind drei Schritte: Erstens soll eine Allianz der Investorenländer Österreich, Deutschland, Belgien, Frankreich und Italien, deren Banken am stärksten in der Region engagiert sind, geschmiedet werden. Zweitens sollen die betroffenen Länder - genannt wurden Rumänien, Bulgarien und die Ukraine - dazu bewegt werden, nationale Bankenschirme aufzuspannen, wozu sie laut Pröll derzeit noch nicht bereit wären. Als drittes soll über den Internationalen Währungsfonds (IWF) "finanzieller Flankenschutz" gewährleistet werden. Der Währungsfonds müsse rechtzeitig mit Liquidität ausgestattet werden, um bei Bedarf Hilfe zu gewährleisten, sagte Pröll.

Vorstoß von Faymann
Gespräche zu diesem Vorstoß wird Faymann am Mittwoch mit Deutschlands Kanzlerin Merkel führen. Auch bei seinem Besuch in Prag werde das ein Hauptthema sein, so der Kanzler. Finanzminister Pröll wiederum wird in den nächsten Wochen in die Ukraine, Rumänien und Bulgarien reisen, um dort mit seinen Amtskollegen über nationale Bankenschirme zu sprechen.

Auf konkrete Zahlen ließ sich die Regierungsspitze nicht ein. Faymann betonte aber, dass es nicht um einen Block, sondern um einzelne Länder gehe. Pröll meinte, es gehe nicht nur darum, einen Schutzschirm über die Ost-Töchter österreichischer Banken zu spannen, sondern darum, das ganze System nicht zusammenklappen zu lassen.

Die Immobilienmärkte in Zentral-, Ost- und Südosteuropa sind von der globalen Finanzkrise stärker betroffen als alle anderen Regionen Europas, heißt es in einer Analyse der CPB Immobilientreuhand Gmbh. Binnen weniger Monate habe sich die Marktlage grundlegend gewandelt: Statt hoher Wachstumsraten seien deutliche Rückgänge zu beobachten, der Immobilien-Investmentmarkt sei teilweise sogar zum Stillstand gekommen. Wegen ihrer dominanten Rolle in der Region sei die österreichische Immobilienwirtschaft von dieser Entwicklung besonders betroffen.
(apa/reed)

28.1.2009 11:48