Donnerstag, 29. Jänner 2009

Assinger zwischen Bangen und Hoffen: Bei
WM von Triumph bis Desaster alles möglich

  • Zahl der Medaillenanwärter ist so groß wie noch nie
  • Ex-Rennläufer in NEWS über seine Gedanken zur WM

Armin Assinger schwankt vor Val d'Isère zwischen Bangen und Hoffen. Die Generalproben in Kitzbühel, Cortina und Garmisch zeigen jedenfalls, dass die Zahl der Medaillenanwärter in allen Disziplinen noch nie so groß war.

Als ich am Samstagabend in Kitzbühel Präsident Schröcksnadel traf, lachte, nein, strahlte er über das ganze Gesicht - und das, obwohl es in Cortina eine feste Schlappe für unser Damenteam gab. Der Sieg vom "Bullen aus Öblarn", die Plätze zwei und drei in der Abfahrt durch unsere Zugpferde Michi und Klaus, dazu die tollen Leistungen der Biathleten und nicht zuletzt der Sieg von Schlierenzauer vor Loitzl in Whistler ließen sein Herz höher schlagen. Ja, es läuft wirklich auf vielen Ebenen sehr gut für den ÖSV.

Zwar gab es am Sonntag in Kitzbühel dann nicht viel zu lachen, sieht man von einer weiteren Talentprobe von Marcel Hirscher ab, doch das Triple-Stockerl in Cortina machte vieles wieder gut, genauso wie der 149-Meter-Satz von Schlieri und der fulminante 2. Platz von Dominik Landertinger in Antholz. Er ist schon ein ausgefuchster Profi, der Herr Präsident, dem es gelang, den ÖSV auf breiter Front erfolgreich zu machen. Mittlerweile sind ja unsere Biathleten mannschaftlich schon stärker einzuschätzen als die Deutschen. Es macht sehr viel Freude, einen Sumann, einen Eder, einen Landertinger und den Rest des Teams zu beobachten, wie sie einem Björndalen auf der Loipe Feuer unterm Hintern machen.

Tagesverfassung und Glück sind entscheidend
Schauen wir aber noch einmal beim Slalom auf dem Ganslernhang vorbei: Wenn das der WM-Slalom gewesen wäre, hätten wir alle blöd aus der Wäsche geschaut, oder? Wengen und Kitzbühel haben gezeigt, dass heutzutage im Spitzensport alles möglich ist, also auch bei der Weltmeisterschaft in Val d'Isère - vom Medaillendesaster bis zum totalen Triumph. Das Einzige, von dem wir überzeugt sein können, ist die Tatsache, dass unsere Sportler hochmotiviert und mit voller Risikobereitschaft an den Start gehen werden. Das sind die wichtigsten Voraussetzungen, um in Savoyen Erfolg zu haben, Gewähr sind sie allerdings keine, zu sehr spielen die Tagesverfassung und das Glück entscheidende Rollen.

Benni Raich war in Kitzbühel nicht vom Glück verfolgt, vielmehr war er der größte Pechvogel und hat dort viele Weltcuppunkte liegen gelassen. Besonders der Ausfall im Slalom wird ihn schmerzen, denn damit blieb die sensationelle Leistung im Abfahrtslauf unbelohnt. Mit dem Ausfall im Super-G nach unglaublich guter Zwischenzeit hat er dort insgesamt gut und gerne 150 Punkte liegen gelassen, Punkte, die ihm in der Endabrechnung abgehen könnten.

Die WM-Abfahrt könnte etwas für Benni sein
Überhaupt ist der Kampf um den Gesamtweltcup eine sehr enge Angelegenheit. Selbst Bode Miller hat alle Chancen, sich mit einem fulminanten letzten Drittel noch nach vorne zu katapultieren. Noch einmal zu Benni: Ich glaube, dass er sogar auf der WM-Abfahrt eine gute Figur machen könnte. Die steile Strecke ohne klassisches Gleitstück hat mit ihren technisch äußerst schwierigen Kurven einiges zu bieten, das Benni gefallen könnte. Kommt er auf der "Face de Bellevarde" gut zurande, ist eine Nominierung für die Spezialabfahrt nicht auszuschließen. Kröll und Walchhofer sind ja gesetzt, für die restlichen beiden Startplätze kommen Maier, Gruber und Streitberger infrage. Ich bin mir nicht sicher, ob im Falle einer etwaigen Quali zwei davon schneller als Benni wären …

Götschl erstmals in der Außenseiterrolle
Weiterhin nicht gut läuft es für Renate Götschl. Sie braucht wahrscheinlich ein Superergebnis, um den gordischen Knoten zu zerschlagen und wieder ganz die Alte zu werden. In der Abfahrt von Cortina war sie schon auf dem Weg dorthin, hat aber durch einen blöden Fehler sich selbst das Leben schwer gemacht. Vielleicht ist es aber auch einmal gut für Renate, als Außenseiterin in eine WM-Abfahrt zu gehen.

Und trotzdem sich der Weltcupzirkus weiterdreht, viele schon im Banne der bevorstehenden WM stehen, dürfen wir nicht auf Daniel Albrecht vergessen. Durch seinen schweren Sturz wird der Kampf um Zehntel und Hundertstel relativiert. Wir alle können nur hoffen, dass sich der so robuste Schweizer wieder vollständig erholt. Und wer weiß, siehe Aksel Lund Svindal, vielleicht ist er nächstes Jahr wieder dabei. Gute Besserung, Daniel!

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29.1.2009 14:02