Dienstag, 27. Jänner 2009

Federer erteilt Del Potro eine Lehrstunde:
Schweizer siegt in nur drei Sätzen überlegen

  • Federer fehlen noch zwei Siege auf 14. Major-Titel
  • Ausgeschiedener Djokovic wollte eine "Night Session"

Der 26-jährige Andy Roddick trifft im Halbfinale wie erwartet auf Roger Federer und darf sich angesichts der Leistung des Schweizers im Viertelfinale nicht viel Chancen ausrechnen, endlich in Melbourne auch das Finale zu erreichen. Denn der als Nummer zwei gesetzte Federer ließ dem achtgereihten argentinischen Jungstar Juan Martin del Potro nicht den Funken einer Chance und siegte in 80 Minuten 6:3,6:0,6:0. Im Head-to-Head steht es damit 4:0.

Zwei Tage davor hatte Federer größte Mühe, den Tschechen Tomas Berdych in fünf Sätzen in die Schranken zu weisen. Da hatte der 27-Jährige schon angekündigt, dass er viel aus so einem Match lernen könne, und so dürfte es auch gewesen sein. Denn nach einem frühen Break zum 3:1 spielte Federer völlig befreit auf und degradierte den in der Weltrangliste nur vier Positionen hinter ihm klassierten Südamerikaner zum Statisten.

Federer gelangen reihenweise Schläge in Perfektion, dem davor heuer in acht Partien noch ungeschlagenen Del Potro blieb nur ein gewaltiges Maß an Frustration. "Ich habe in diesem Match nicht existiert", meinte der 20-Jährige. "Er hat wie eine Nummer eins gespielt. Für mich war es einfach ein schlechter Tag, denn nervös war ich nicht. Das ist eben Roger Federer. Wenn man gegen ihn nicht gut spielt, verliert man. Und er hat perfekt gespielt, da war nichts zu machen."

"Ich bin entzückt"
Sein 27-jähriger Gegner hingegen war über die Qualität seines eigenen Spiels überrascht: "Ich bin entzückt, so etwas passiert nicht alle Tage. Ich hätte mir ein schwierigeres Match erwartet. Ich bin auch sehr zufrieden, dass das Fünfsatz-Match gegen Berdych keine Spuren bei mir hinterlassen hat." Tatsächlich lautete das Punkteverhältnis in den letzen beiden, zusammen nur 45 Minuten dauernden Sätzen 50:14.

"Am Anfang war es eng, aber dann habe ich seinen Aufschlag und sein ganzes Spiel immer besser gelesen", analysierte Federer mit jener Selbstverständlichkeit, die er vorher auf dem Platz gezeigt hatte. Gegen Roddick sieht es in der Bilanz für den Eidgenossen mit 15:2 auch sehr gut aus. Den jüngsten Vergleich im April in Miami gewann aber Roddick. Federer: "Ich bin froh, dass Andy wieder da ist. Er spielt sehr solide, hat die Top Ten seit sieben Jahren nicht verlassen."

Roddick nicht zu unterschätzen
Roddick ist aber nicht nur deshalb nicht zu unterschätzen. Er ist nach dem Verlust einiger Kilos deutlich schneller, spielt vor allem auf der Rückhand wesentlich sicherer und insgesamt auch geduldiger. Seine Hauptwaffe ist natürlich weiter der krachende Aufschlag, aber den Unterschied macht die Fitness aus. "Es ist ein bisschen einfacher, den Ball gut zu treffen, wenn man ihn erreicht", sagte er lakonisch.

Mit seinem 19. Grand-Slam-Halbfinale in Serie baute Federer seinen Rekord aus, den hatte davor der gebürtige Tseche Ivan Lendl mit 10 Halbfinal-Einzügen in Majors en suite gehalten. Federer fehlen nun nur noch zwei Match-Siege, um mit dem Gewinn seines 14. Grand-Slam-Turniers den Rekord des US-Amerikaners Pete Sampras einzustellen. Damit hat er auch seinen zweiten Weltranglistenplatz gefestigt, denn der gestürzte Titelverteidiger Novak Djokovic verliert einiges an Boden.

Ärger bei Djokovic
Indes ärgerte man sich im Lager von Djokovic, dass seine Partie nicht für die "Night Session" angesetzt worden war. So war die Erholungszeit nach seinem Viersatzsieg gegen den Zyprioten Marcos Baghdatis stark gekürzt. Während Djokovic aber nicht viel darüber sagen wollte - "Ich wollte am Abend spielen, der Wunsch wurde nicht erfüllt. Ich will das Kapitel abschließen" -, meinte sein Coach Marian Vajda: "Da ist einfach ein Zeichen mangelnden Respekts gegenüber Novak."
(apa/red)

27.1.2009 15:53