Herbst als Held im Stangenwald: "Weiß, dass ich derzeit schneller als alle anderen bin"
- Triumphmarsch in Schladming Beweis der Hochform
- Mit 1. Heimsieg fiel Riesendruck vom 30-Jährigen ab

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Reinfried Herbst ist derzeit im Slalom das Maß aller Dinge. Sein Triumphmarsch vor 50.000 Zuschauern in Schladming war ein eindrucksvoller Beweis der aktuellen Hochform des Salzburgers, der nach zweifacher Laufbestzeit 1,16 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Teamkollegen Manfred Pranger aufwies. Ohne überheblich klingen zu wollen, meinte der 30-Jährige nach seinem fünften Weltcup-Erfolg: "Ich weiß einfach, dass ich derzeit schneller als alle anderen bin."
Nach der verhauten Halbzeit-Führung in Kitzbühel musste Herbst nur zwei Tage lang warten, um die nächste Chance auf den von ihm heiß ersehnten ersten Sieg auf österreichischem Schnee zu erhalten. "Ein Sieg in Österreich war ein großes Ziel von mir. Ich habe mir deshalb selbst einen Riesendruck gemacht, weil ich es mir unbedingt beweisen wollte. Ich wollte diese zweite Chance nach Kitzbühel unbedingt nutzen."
Bei Siegesfeier "wie in Trance"
Umso größer war dann die Freude, die er in Mitten des rot-weiß-roten Fahnenmeers bei der Siegerehrung erlebte. "Ich war wie in Trance, der gesamte Druck ist von mir abgefallen, ich verspürte einfach nur Erleichterung", erklärte Herbst, der gestand, dass er diesmal sogar über einen zweiten Platz enttäuscht gewesen wäre.
Das bittere Out auf dem Ganslernhang in Kitz war dem Jungvater weit mehr im Kopf und in den Knochen gesteckt als gedacht. "Dieser Ausfall ist sehr tief gesessen und war schwer zu verarbeiten", so Herbst, der gestand, dass er von Sonntag auf Montag nicht sehr gut geschlafen hatte. "Ich habe mich um neun ins Bett gelegt und wollte den Tag abhacken, um zwölf war ich noch immer wach. Und um sechs waren die Gedanken an Kitz schon wieder da."
Dass Herbst, für den logischerweise der WM-Slalom in Val d'Isere und der Slalom-Weltcup weitere große Saisonziele sind, derzeit den schnellsten Slalomschwung der Welt fährt, ist kein Geheimnis. "Ich weiß, dass ich von der Konkurrenz sehr genau beobachtet werde."
Schönster Weltcup-Triumph
Schladming geht als bis dato schönster Weltcup-Triumph in die Herbst-Sammlung ein. Einen Vergleich mit Slalom-Olympia-Silber 2006 wollte er aber nicht wagen. "Olympia war noch einmal eine andere Kategorie, weil diese Silberne zum damaligen Zeitpunkt wirklich absurd war", erinnerte sich der Unkener, der ein Jahr vor der Olympia-Silbernen noch aus allen ÖSV-Kadern geflogen war. In Schladming hatten die Buchmacher Herbst gemeinsam mit Slalom-Weltcup-Leader Jean-Baptiste Grange als Top-Favoriten geführt.
Trotz seines Sieges übte Herbst auch Kritik, und zwar am Franzosen Jacques Theolier, dem Kurssetzer des zweiten Durchgangs in Schladming. "Dieser Lauf war einfach nur sinnlos gerade runtergesteckt. Obwohl ich der Schnellste war, das war kein schönes Slalomfahren. Wir haben unsere Carving-Ski eigentlich dafür, dass wir Kurven fahren."
(apa/red)
