Bieler in Kombination 2. hinter Koivuranta:
Tragischer Held Stecher nach Sturz Neunter
- Steirer stürzte 700 m vor dem Ziel: an Nase verletzt
- Österreicher müssen weiter auf 1. Saisonsieg warten

Österreichs Kombinierer verlassen den Weltcup-Ort Chaux-Neuve mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Mario Stecher hatte bis 700 Meter vor dem Ziel nicht nur seinen ersten Saisonpodestplatz nach vier vierten Rängen, sondern sogar den Sieg im Visier, stürzte dann aber und landete nur auf Platz neun. Christoph Bieler sorgte allerdings als Zweiter hinter dem Finnen Anssi Koivuranta dennoch für den überfälligen ersten Podestplatz der Österreicher in der neuen Einzeldisziplin (1 Sprung/10 km Langlauf). Bernhard Gruber hatte im einzigen und letzten Massenstart-Weltcup im Fleimstal den zweiten Platz belegt.
Stecher war kurz vor dem Ziel auf einer Abfahrt in einer eisigen Kurve ausgerutscht und verfing sich beim Beschleunigen im Netz. Dementsprechend groß war die Enttäuschung beim Team-Olympiasieger, der es durchaus drauf gehabt hätte, Österreich den ersten Saisonsieg zu bescheren. Stecher zog sich dabei auch eine Verletzung an der Nase zu, wobei die Schwere noch nicht abschätzbar war. "Mir tut die Nase weh, aber das ist im Moment nicht so schlimm. Ich bin sehr verärgert über dieses Netz in so einer schnellen Steilkurve. Mit einer Plane wäre nichts passiert und ich hätte um den Sieg mitkämpfen können. Noch dazu habe ich den Großteil der Führungsarbeit übernommen, damit unsere Verfolger Moan, Lamy Chappuis und Kircheisen uns nicht einholen. Ich hoffe wirklich, dass mir auch das Glück bald zur Seite steht. An der Leistung scheitert es momentan ja nicht", war der Frust bei Stecher verständlicherweise durchzuhören.
Stecher leistet Führungsarbeit
Der Eisenerzer hatte im Führungstrio mit Koivuranta, der seinen fünften Saisonsieg feierte, und Bieler die Hauptarbeit geleistet und letztlich nicht die Lorbeeren dafür kassiert. Bieler gab dies auch unumwunden zu und bedauerte seinen Mannschaftskollegen: "Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich es hier aufs Podest schaffe. Ohne der Führungsarbeit von Mario wäre das nie gelungen. Es tut mir wirklich sehr leid für ihn, dass er gestürzt ist. Ich hoffe, sein Glück kommt dann spätestens in Liberec", sagte Bieler, der von einem für ihn zukunftsweisenden Rennen sprach. "Ich weiß, dass ich wieder schnell sein kann und ich habe vom Training her auch noch einige Reserven, weil ich in den letzten Wochen kaum trainieren konnte."
Auch ÖSV-Cheftrainer Alexander Diess war von den Ereignissen hin-und hergerissen und trauerte trotz des zweiten Ranges auch der vergebenen Siegchance nach: "Die Wehmut ist da. Wir hätten heute Erster und Dritter werden können, Mario wäre reif für den Sieg gewesen. Er ist der traurige Held, aber das muss für irgendwas gut sein", meinte er mit gemischten Gefühlen zur APA. Allerdings freute den Oberösterreicher die Rückkehr von Bieler auf das Podest, der nach Platz 5 vom Samstag sogar noch zulegen konnte. "Eine Riesenbestätigung für ihn, er war fast schon wieder standesgemäß."
Für den Kombinierer-Tross geht es nun kommendes Wochenende in Seefeld/Tirol weiter, wo das Programm auf zwei Einzelbewerbe geändert wurde (der ursprünglich geplante Teambewerb war wegen mangelnder Nennzahlen gestrichen worden). "Die Formentwicklung stimmt, die Marschroute stimmt. Es muss einfach nur alles zusammenpassen", meinte Diess, dessen Truppe am Donnerstag nach Seefeld anreist. Etwas untergegangen ist der sechste Rang des Steirers Marco Pichlmayer, der damit das beste Ergebnis seiner Karriere erreichte. "Ich konnte heute endlich mein ganzes Potenzial auspacken. In der letzten Runde ging mir zwar die Kraft aus, aber Platz sechs ist für mich ein Traum."
(apa/red)
