Sonntag, 1. Februar 2009

Rot-weiß-rote Adler verputzen Konkurrenz:
Skispringer feiern in Sapporo Dreifachsieg

  • Schlierenzauer gewinnt vor Morgenstern und Loitzl
  • Zweite Konkurrenz wegen starken Windes abgesagt

Zehnter Erfolg in Serie, erster Dreifach-Sieg im WM-Winter - die ÖSV-Skispringer haben auch im Weltcup-Bewerb in Sapporo für die Superlative gesorgt. Ganz oben auf dem Podest stand zum achten Mal in dieser Saison der Tiroler Gregor Schlierenzauer, der mit klarer Bestweite von 133,0 sowie 120,5 Metern bei enorm kurzem Anlauf seine Teamkollegen Thomas Morgenstern und Wolfgang Loitzl um 36,4 bzw. 42,1 Punkte distanzierte und seine Weltcupführung vor dem Schweizer Simon Ammann, dem Tages-Siebenten, auf 172 Punkte ausbaute.

Die Jury hatte den Anlauf aus Respekt vor möglichem Aufwind sehr kurz bemessen, doch der blieb völlig aus und so sahen die wenigen Zuschauer des Flutlichtbewerbs nur fünf Sprünge über den K-Punkt von 120 Metern. Doch Schlierenzauer schienen die äußeren Einflüsse überhaupt nicht zu tangieren. Nachdem unmittelbar vor ihm Ammann, der Weltmeister von Sapporo 2007, sowie Loitzl, Morgenstern, Martin Koch und Matti Hautamäki (FIN) zwischen 106,0 und 112,0 m gelandet waren, segelte der 19-Jährige auf 133 Meter. Diese genial anmutende Leistung war der Grundstein zum Sieg.

Im Finale wurden seine zuvor vom Glück begünstigten Verfolger Kalle Keituri (FIN) und Yuta Watase (JPN) zurechtgestutzt (Gesamt-4. und 5.), mussten zwei Österreicher vorbeilassen. Vorjahres-Gewinner Morgenstern (von acht auf zwei) stellte mit Final-Bestweite von 123,5 Metern sein bisheriges Saison-Topresultat von Whistler ein. "Es war ein sehr schwieriger Wettkampf, ich bin überglücklich, auch über den weitesten Sprung im zweiten Durchgang", sagte der 22-Jährige. Tourneesieger Loitzl (119,5) verbesserte sich in Abwesenheit der Elite aus Norwegen, Finnland, Deutschland und Polen von Rang sieben auf drei. "Ich habe mein Ziel, einen Stockerlplatz, erreicht, aber ich weiß, dass es noch besser geht", meinte der Steirer.

Vierter Schlierenzauer-Sieg in Serie
Schlierenzauer genügten 120,5 Meter zu seinem 19. Sieg im Weltcup, dem vierten in Serie. "Das war ein ganz besonderes Gefühl, neben den Teamkollegen auf dem Podest zu stehen", sagte der Skiflug-Weltmeister. Er war in Sapporo 2007 Team-Weltmeister geworden, hatte aber im Vorjahr die dortigen Weltcupbewerbe ausgelassen. Nun trat er in der Olympia-Stadt von 1972 in die Fußstapfen von Morgenstern. 2008 hatte der Kärntner auf der nordjapanischen Insel Hokkaido ebenfalls seinen achten Saisonsieg gefeiert, später ließ er sich vorzeitig als Weltcupsieger feiern.

Was die Einzelsiege betrifft, ist Schlierenzauer bereits die klare Nummer eins im aktuellen ÖSV-Team. Mit einem weiteren Erfolg würde er Andreas Goldbergers Marke von 20 Erfolgen egalisieren. Dass er ein Muster an Beständigkeit ist (acht Siege, je dreimal Zweiter und Dritter, viermal Vierter), sieht man an Schlierenzauers Preisgeld. Der Teenager aus dem Stubaital hat im WM-Winter bereits 344.500 Franken (derzeit rund 231.000 Euro) brutto verdient.

Co-Trainer Marc Nölke, der wie im Vorjahr den Chef Alexander Pointner vertrat, behielt seine "weiße Weste" bei den Japan-Weltcups und sparte nicht mit Lob. "Die Springer haben eine sensationelle Leistung abgeliefert. Im ersten Durchgang waren die Bedingungen bei den letzten Springern unglaublich schwierig, Schlierenzauer ist mit einem hervorragenden Sprung trotzdem in Führung gegangen. Aber auch Loitzl und Morgenstern haben sehr gute Sprünge abgeliefert und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen", erklärte der Deutsche.

2. Konkurrenz abgesagt
Der zweite Skisprung-Weltcup-Bewerb in Sapporo ist dem starken Wind zum Opfer gefallen. Nach dreistündiger Wartezeit sagte die Jury auf der WM-Schanze von 2007 endgültig ab. Es ist der erste Ausfall in dieser Saison. In der Weltcup-Gesamtwertung führt weiter ÖSV-Springer Gregor Schlierenzauer mit 1420 Punkten vor dem Schweizer Simon Ammann (1248).


Endstand Sapporo
1.Gregor SchlierenzauerAUT253,3 (133,0/120,0)
2.Thomas MorgensternAUT216,9 (112,0/123,5)
3.Wolfgang LoitzlAUT211,2 (112,0/119,5)
4.Kalle KeituriFIN193,3 (127,0/ 96,5)
5.Yuta WataseJPN187,9 (121,5/ 99,0)
6.Roar LjökelsöyNOR186,5 (116,0/104,0)
7.Simon AmmannSUI185,7 (107,5/111,5)
8.Daiki ItoJPN185,6 (109,0/110,5)
9.Andreas KüttelSUI183,8 (104,5/114,0)
10.Stefan HulaPOL180,5 (111,5/106,0)
11.Michael NeumayerGER180,4 (118,0/102,5)
12.Takanobu OkabeJPN172,9 (103,5/109,5)
13.Kamil StochPOL165,9 (102,0/108,5)
14.Martin KochAUT159,3 (107,5/ 98,5)
15.Fumihisa YumotoJPN158,9 (105,5/102,5)
16.Kai KovaljeffFIN154,2 (115,0/ 89,0)
17.Kim Rene ElverumNOR152,8 (103,5/100,0)
18.Taku TakeuchiJPN150,6 (107,5/ 94,5)
19.Kazuyoshi FunakiJPN147,8 (107,5/ 93,5)
20.Shohhei TochimotoJPN145,5 ( 88,0/112,0)
21.Yukio SakanoJPN143,8 (102,0/ 96,5)
22.Julian MusiolGER143,0 ( 90,5/107,0)
23.Maximilian MechlerGER140,5 ( 96,0/101,5)
24.Vegaard SklettNOR136,0 ( 93,5/101,5)
25.Matti HautamäkiFIN134,9 (106,0/ 90,5)
.Sigurd PettersenNOR134,9 (102,5/ 90,5)
27.Andreas WankGER126,0 ( 99,5/ 93,0)
28.Primoz PiklSLO121,5 ( 90,0/ 97,5)
29.Nikolaj KarpenkoKAZ103,3 ( 92,0/ 86,5)
30.Hiroki YamadaJPN96,1 ( 91,0/ 83,5)


(apa/red)

1.2.2009 09:22