Skandal-Bischof macht jetzt Rückzieher:
Entschuldigt sich für 'unbedachte Äußerung'
- Gegen Traditionalisten wird in Deutschland ermittelt
- Heftige Kritik von deutschen Theologen an Entscheid

·Holocaust-Leugnung schlägt hohe Wellen
Schönborn spricht von Fehlern des Vatikans
·Papst versucht nun die Wogen zu glätten
Benedikt XVI. verurteilt Holocaust-Leugnung
·Holocaust-Leugner zurück zur Kirche?
Papst Benedikt XVI. löst schwere Kontroverse aus
Der umstrittene traditionalistische Bischof Richard Williamson, gegen den in Deutschland wegen Holocaust-Leugnung ermittelt wird, hat Papst Benedikt XVI. um Entschuldigung gebeten. In einem veröffentlichten Schreiben an den für die Kontakte zu den Traditionalisten der Priesterbruderschaft St. Pius X. des verstorbenen Erzbischofs Marcel Lefebvre zuständigen Kurienkardinal Dario Castrillon Hoyos unterstrich der Brite Williamson, er bedauere zutiefst "das Leid", das er mit seiner "unnötigen" Äußerung dem Heiligen Vater verursacht habe.
Williamson hatte während eines Deutschland-Aufenthalts in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen geäußert: "Ich denke, dass 200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben sind, aber nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern". Da Holocaust-Leugnung in Deutschland ein Offizialdelikt ist, hat die Staatsanwaltschaft Regensburg voriger Woche ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet.
Seine Äußerung sei "unbedacht" gewesen, schrieb Bischof Williamson, der sich für "das Leid und die Probleme" entschuldigte, die er damit verursacht habe. Der Brite hatte in dem Interview mit dem schwedischen Fernsehen wörtlich erklärt: "Ich glaube, dass es keine Gaskammern gab". Es gebe Beweismaterial, das gegen die Vergasung von sechs Millionen Juden durch das deutsche Naziregime spreche. Es seien vielleicht 200.000 bis 300.000 Juden in Konzentrationslagern umgekommen, aber kein einziger von ihnen sei vergast worden.
Leugnung des christlichen Glaubens
Vatikansprecher Federico Lombardi erklärte, wer den Holocaust leugne, "der leugnet den christlichen Glauben selbst". "Und das ist umso schwerwiegender, wenn es aus dem Mund eines Priesters oder eines Bischofs kommt." Kardinal Christoph Schönborn erklärte in einem ORF-Interview: "Wer die Shoah leugnet, kann nicht in seinem kirchlichen Amt rehabilitiert werden". Der Wiener Erzbischof betonte, dass die Absicht des Papstes "eine Versöhnung mit dieser Gruppe" und eine "Geste des Entgegenkommens" gewesen sei. Die vier Bischöfe seien allerdings "noch nicht in Amt und Würden". Solange sie "das Zweite Vatikanische Konzil nicht anerkennen, wird es keine Versöhnung geben".
Deutsche Theologen kritisierten die Entscheidung von Benedikt XVI., die Exkommunikation der vier Traditionalisten zurückzunehmen. Dadurch würden auch die "Gräben zu den Kirchen der Reformation" vertieft, heißt es in einer Erklärung Freiburger Professoren. Tübinger Theologen attackierten das entsprechende Papst-Dekret als "Ärgernis und schwere Belastung".
(apa/red)
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