Freitag, 30. Jänner 2009

Der Nahe Osten als unendliche Geschichte:
Raketenbeschuss hin - Luftangriffe zurück

  • Seltsam: Fatah-nahe Extremisten als Aggressoren
  • Ban Ki-moon: Gazastreifen braucht 613 Mio. Dollar

"Waffenruhe" ist ein Wort, das im Nahen Osten kaum mehr von Bedeutung zu sein scheint. Und so dreht sich der Teufelskreis zwischen Israel und Palästinensern weiter, auf eine mühsam erarbeitete Feuerpause folgen Provokation und Aggression auf beiden Seiten. Als könnte man die Uhr danach stellen. Jüngstes Beispiel: Die Nacht auf Donnerstag.

Als Antwort auf eine palästinensische Rakete, eingeschlagen in Südisrael, griff die israelische Luftwaffe erneut Ziele im Gazastreifen an, acht Menschen wurden dabei verletzt. Kurz davor hatte überraschenderweise eine der Fatah-Bewegung um Präsident Abbas nahestehende Extremisten-Gruppe die Verantwortung für den ersten palästinensischen Raketenagriff seit Beginn der Waffenruhe übernommen. Überraschend deshalb, gilt die Fatah doch als gemäßigt und eigentlich die Hamas als Hauptaggressor auf palästinensischer Seite.

Ein guter Zeitpunkt auf jeden Fall für den neuen Nahost-Sondergesandten der USA, George Mitchell, eine Gesprächstournee durch diese Region zu führen. So kann er sich gleich ein konkretes Bild vom Teufelskreis machen. Derzeit diskutiert Mitchell in Ramallah über die Möglichkeiten einer dauerhaften Waffenruhe. Was aber angesichts der derzeitigen Entwicklung ziemlich überflüssig zu sein scheint.

Unterdessen hat UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zu rascher Hilfe für die Bewohner des Gazastreifens aufgerufen. Auf 613 Millionen Dollar schätzt er den Bedarf beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos.

(Kim Son Hoang)

30.1.2009 08:08