Tauwetter zwischen Moskau & Washington:
Russland spart sich Raketen in Kaliningrad
- Moskau nennt Wandel in der US-Politik als Grund
- EU und NATO begrüßen den Verzicht Russlands

·Obama im Einsatz in Sachen Außenpolitik
Nahost, Afghanistan und Irak dominieren Agenda
Russland will nach dem Amtsantritt von US-Präsident Obama entgegen früheren Ankündigungen nun vorerst doch keine Raketen in der Ostsee-Exklave Kaliningrad stationieren. Die Vorbereitungen zur Aufstellung der Kurzstreckenraketen vom Typ Iskander seien ausgesetzt, weil die neue Führung in Washington die Pläne für ihr umstrittenes US-Raketenabwehrsystem in Mitteleuropa nicht forciere.
Das sagte ein Sprecher des russischen Generalstabs. Der russische Präsident Medwedew hatte die Stationierung der Raketen im Gebiet zwischen den EU- und NATO-Staaten Polen und Litauen im November als Reaktion auf die US-Pläne angekündigt. Beim ersten Telefonat mit Präsident Obama am Montag setzte der Kreml-Chef deutlich auf Entspannung.
Reichweite bis Deutschland?
Die "Iskander"-Raketen, deren Abschusscontainer auf Lastwagen montiert sind, sollen u.a. auch mit Atomsprengköpfen bestückbar sein und könnten mit der angegebenen Reichweite zwischen 280 und 415 Kilometer beispielsweise in etwa bis zur deutschen Grenze fliegen. Experten zweifeln jedoch an der technischen Reife der Raketen, von denen es bis dato nur einen Prototyp gebe.
Medwedew hatte am Tag nach der Wahl Obamas Anfang November 2008 die Stationierung der "Iskander"-Raketen im Gebiet Kaliningrad mit den Worten angekündigt, für Russland sei außenpolitisch der "Moment der Wahrheit" gekommen. Die Präzisionswaffe solle "bei Bedarf die Raketenabwehr (der USA) zerstören".
EU & NATO erfreut
EU und NATO haben Berichte über einen Verzicht Russlands auf die Stationierung von "Iskander"-Raketen in Kaliningrad begrüßt. Der amtierende EU-Ratsvorsitzende, Tschechiens Außenminister Schwarzenberg, sagte am Mittwoch in Prag vor Journalisten: "Natürlich begrüße ich diese Änderung der russischen Position. Ich hoffe, dass Moskau bemerkt hat, dass es sich (mit den Raketen-Plänen) selbst geschadet hat."
(apa/red)
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