Mittwoch, 28. Jänner 2009

'Partnerschaft von gegenseitigem Respekt'?
Israel fliegt neue Angriffe auf Gazastreifen

  • US-Gesandter Mitchell fordert längere Waffenruhe
  • UNO: Gazastreifen 'Gefängnis ohne Menschenwürde'

„Eine neue Partnerschaft von gegenseitigem Respekt“. Das, so meinte am Dienstag der neue US-Präsident Barack Obama voller Optimismus, sei der Weg zum Frieden im Nahen Osten. Ein israelischer Soldat und ein 24-jähriger Palästinenser sind bei Zwischenfällen getötet worden. Das wurde noch am gleichen Tag aus dem Gazastreifen berichtet. Nur 24 Stunden später ist der mühsam erworbene Waffenstillstand zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas vollkommen obsolet geworden, hat die israelische Luftwaffe doch wieder den Gazastreifen bombardiert. So hat die Waffenruhe gerade einmal eine Woche gehalten.

Es ist das gewohnte Spiel von Aktion und Reaktion im Nahen Osten: Auf einen tödlichen Bombenanschlag auf eine israelische Militärpatrouille folgt Vergeltung in Form von Luftangriffen, bei denen laut „Haaretz“ keine Todesopfer zu beklagen waren. Und wenn es nach Premierminister Ehud Olmert geht, wird die Antwort noch umfangreicher ausfallen, hat dieser doch vor weiteren Maßnahmen gewarnt.

Wie groß ist der Scherbenhaufen?
Wie stabil oder eher labil die Lage im Nahen Osten ist, davon will sich George Mitchell, der neue amerikanische Nahost-Sondergesandte, ein Bild machen. Bei seiner ersten Vermittlungsmission traf Mitchell zu Gesprächen mit Ägyptens Präsident Mubarak zusammen. Dabei plädierte er für eine Ausweitung des Waffenstillstands im Gazastreifen. Weitere Stationen seiner Mission sind Israel, Jordanien, die Türkei und Saudi-Arabien. Gespräche mit der Hamas sind hingegen nicht geplant. Geht es nach der deutschen „TAZ“, so dient die Reise vorwiegend dazu, die Dimension des Scherbenhaufens zu erkennen, den die USA in dieser Region wegzuräumen haben.

“Gefängnis ohne Menschenwürde“
John Holmes, Nothilfekoordinater der Vereinten Nationen, hat ein verheerendes Urteil über den Gazastreifen gefällt. Nach den israelischen Angriffen sei dieser mit einem „riesigen Freilichtgefängnis ohne Normalität und Menschenwürde“ vergleichbar. Laut seinem Bericht an den Weltsicherheitsrat benötigen die Palästinenser „massive humanitäre Hilfe“. Außerdem seien 90 Prozent der Menschen im Gazastreifen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

(Kim Son Hoang)

28.1.2009 22:34