Papst löst Kontroverse aus: Aufhebung der Exkommunikation von Holocaust-Leugner?
- Umstrittene "Friedensgeste" kurz vor Israel-Reise
- Benedikt XVI. im Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik

Benedikt XVI. hat ein großes Vorhaben: der Einheit der Kirche zu dienen. Dafür geht er auch gern mal eine Kontroverse ein. Nun dürfte sich der Papst aber unter Umständen eine Spur zu weit aus dem Fenster gehängt haben. Denn mit der Aufhebung der Exkommunikation Von Richard Williamson holt er jemanden zurück an Bord der Kriche, gegen den wegen Holocaust-Leugnung ermittelt wird.
Joseph Ratzinger hat schon als Kurienkardinal an der Einheit der Kirche gearbeitet. Er hat mit Abtrünnigen verhandelt und versucht, schwarze Schafe in den Schoß der katholischen Kirche zurückzuführen. Jetzt aber holt sich Benedikt XVI. mit der Aufhebung der Exkommunikation des Traditionalisten-Bischofs Richard Williamson doch einigen Ballast in den Vatikan. Denn dieser erzkatholische Brite, gegen den in Deutschland gerade wegen Holocaust-Leugnung ermittelt wird, sorgt für Wirbel in den sowieso schon angespannten Beziehungen des Heiligen Stuhls zum Judentum. Und das nur Monate vor Benedikts geplanter Reise in das Heilige Land. Platzt der Israel-Besuch?
Reaktionen zur Aufhebung
Es war eine "Geste des Friedens", die Unfrieden gestiftet hat. Während niemand an der Haltung des Papstes zum Holocaust zweifelt, so ist sein Versöhnungsschritt gegenüber den Erben des 1991 verstorbenen exkommunizierten Traditionalistenführers Erzbischof Marcel lefebvre für Juden ein Schlag und auch für viele Christen unverständlich. Und warum gerade jetzt, war es falsches Timing? "Er hat das Wohl der kirchlichen Struktur für wichtiger gehalten als die Rücksicht auf die Wahrheit und die Erinnerung an die Toten", interpretiert die römische Zeitung "La Repubblica" die päpstliche Entscheidung. Der vatikanische Pressechef Federico Lombardi wie auch der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper werden nicht müde zu betonen, dass man die Dinge auseinanderhalten müsse - die kirchenrechtliche Geste gegenüber den Traditionalisten und die Holocaust-Äußerungen von Williamson.
Nach langwierigem diplomatischen Tauziehen möchte der Papst seine erste Reise als Kirchenoberhaupt in das Heilige Land machen, Bethlehem, die Grabeskirche und wohl auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besuchen. Doch gerade das Shoah-Museum prangert die Holocaust-Leugnung an. Auch der Streit um Papst Pius XII. (1939-58) hat das Verhältnis vergiftet - auf Benedikts Schreibtisch liegt die brisante Akte zur Seligsprechung des Mannes, dem vielfach vorgeworfen wird, während der Nazi-Zeit nicht genug für die Juden getan zu haben.
"Vermeidbarer Betriebsunfall"?
Der Papst habe nur auf das Interesse der Kirche geschaut, so wie er es sieht, mutmaßen Vatikan-Kenner. Kann man einen offiziellen Schritt des Heiligen Stuhls erwarten, um die Lage zu entschärfen? Kasper antwortete darauf so: "Es ist bekannt, dass Benedikt XVI. sich zu all diesen Fragen mit äußerster Klarheit geäußert hat." Was bleibt, ist der Eindruck, dass es ein "vermeidbarer Betriebsunfall" gewesen sein könnte. Als einen solchen hatten wohlmeinende Beobachter die von vielen als islamkritisch empfundene Regensburger Vorlesung des Pontifex im Jahr 2006 eingestuft. (apa/red)
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