Voggenhuber blitzt bei Parteivorstand ab:
Kein Platz auf Grüner Liste bei der EU-Wahl
- Bundesvorstand ringt sich zu Entscheidung durch
- Glawischnig sieht Vertrauensbasis deutlich gestört

·Voggenhuber macht eine Rolle rückwärts
Grünen-Urgestein tritt jetzt doch bei EU-Wahl an
·Vom EU-Gegner zum Unions-Befürworter
Voggenhuber seit 1995 in Brüssel aktiv gewesen
·Lunacek wird grüne EU-Spitzenkandidatin
Sieg bei Stichwahl gegen Johannes Voggenhuber
Johannes Voggenhuber scheint nicht auf der EU-Kandidatenliste der Grünen auf. Das hat der Erweiterte Bundesvorstand nach mehrstündiger Sitzung festgelegt. In geheimer Wahl sprachen sich 17 Mitglieder des Gremiums gegen sein Antreten aus, zwölf dafür, erklärte Voggenhuber im Anschluss. Der bisherige Delegationsleiter der Grünen zeigte sich enttäuscht.
"Sie sehen, ich habe meine Koffer gepackt." Über seine persönliche Zukunft wollte er nichts sagen. Dies wolle er nicht in der Emotion festlegen. Er sei jedenfalls "tief betroffen". Eine Gegenkandidatur plant er nicht. Voggenhuber war am Bundeskongress im Kampf um den ersten Listenplatz recht knapp gegen Ulrike Lunacek gescheitert. Nun wollte er einen jener Kandidaten-Plätze, die nicht vom Kongress gewählt sondern vom Erweiterten Bundesvorstand vergeben werden. Ins EU-Parlament wollte Voggenhuber über Vorzugsstimmen einziehen.
"Gestörte Vertrauensbasis"
Grünen-Chefin Eva Glawischnig erklärte die Niederlage Johannes Voggenhubers mit einer "gestörten Vertrauensbasis", die nicht weder zu kitten gewesen sei. Es sei bei der mehrstündigen Diskussion im Vorstand nicht um politische Inhalte sondern um Fragen des Vertrauens gegangen. Sie argumentierte die Entscheidung gegen eine Kandidatur Voggenhubers auch mit der Kandidatenwahl beim Bundeskongress vor zwei Wochen, bei dem der EU-Parlamentarier in einer Kampfabstimmung gegen Ulrike Lunacek die Spitzenkandidatur verloren hatte.
Außerdem sei Voggenhubers Vorstoß, auf dem letzen Listenplatz zu kandidieren, "keine eindeutige Solidaritätskandidatur" gewesen. Voggenhuber hatte heute klargemacht, dass er eigentlich über Vorzugsstimmen wieder an die Spitze wollte.
Kritik an Parteiführung
Aber auch der langjährige Grüne-Abgeordnete schenkte Glawischnig nichts. Voggenhuber warf der Parteispitze vor, es auf einen Konflikt mit ihm angelegt zu haben. "Getroffen" zeigte er sich davon, dass man versucht habe, ihn zum Rückzug zu bewegen. Die Parteiführung habe die Angelegenheit bewusst "zur Machtfrage" erklärt, um damit den Vorstand hinter sich "zu zwingen".
Über seine Zukunft wollte Voggenhuber aus "der Emotion und Betroffenheit" heraus nicht entscheiden, er wolle erst darüber nachdenken.
(apa/red)
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