Mittwoch, 28. Jänner 2009

"Demokratie" Fremdwort für Islam-Lehrer:
Uni-Studie belegt "fanatische Haltungen"

  • Reaktion: Bildungsministerium fordert einen Bericht
  • 37 % der Lehrer ohne entsprechende Ausbildung

Kein gutes Zeugnis in Sachen Demokratiepolitik stellt laut einem Vorab-Bericht des "Falter" eine Studie muslimischen Lehrern in Österreich aus: 21,9 Prozent gaben demnach in einer Umfrage unter 210 Lehrern an, die Demokratie abzulehnen, weil sie sich nicht mit dem Islam vereinbaren lasse. 22,6 Prozent werden "fanatische Haltungen" attestiert. Und insgesamt 77,2 Prozent der Befragten sehen sich "als Teil der österreichischen Gesellschaft", 4,5 Prozent, antworteten, dies treffe gar nicht zu.

Mouhanad Khorchide, Autor der Dissertation "Der Islamische Religionsunterricht zwischen Integration und Parallelgesellschaft" am Islamischen Religionspädagogischen Institut der Uni Wien und laut "Falter" selbst Imam und Religionslehrer, sieht darin ein Zeichen, dass sich in der Vergangenheit niemand ernsthaft um den Unterricht kümmerte. Zudem forderte er die zuständigen Ministerien auf, für moderne Qualitätsstandards im im islamischen Religionsunterricht zu sorgen. Im Ö1-"Morgenjournal" schockierte er außerdem mit der Zahl 37. Soviel Prozent der Islam-Lehrer hätten weder eine theologische noch eine pädagogische Ausbildung.

Reaktion folgt prompt
Auf die Forderung Khorchides wurde sofort reagiert. Das Bildungsministerium forderte noch am selben Tag einen "umfassenden Tätigkeitsbericht" über die Arbeit der acht Fach-Inspektoren für den islamischen Religionsunterricht. Vorliegen soll dieser bis 12. Februar, hieß es in einer Aussendung des Ministeriums. Außerdem kündigte Ressortchefin Claudia Schmied an, ein Gespräch mit dem Vorsitzenden der islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Shakfeh, suchen zu wollen.

Dieser bezeichnet die Ergebnisse der Studie im "Falter" als "nicht in Ordnung". Allerdings: Solange es sich um Privatmeinungen handle, habe "ich nichts damit zu tun". Bei Äußerungen im Unterricht, die gegen das Gesetz und die Linie der Glaubensgemeinschaft verstoßen, könne er aber Entlassungen aussprechen. Dass die Gesinnung der Kinder grundlegend von antidemokratischen Haltungen beeinflusst werden könnte, glaubt er eher nicht: "Das setzt voraus, dass diese Personen große Denker sind, damit sie die Kinder subtil manipulieren können. Ich glaube nicht, dass wir solche Lehrer haben."

Alarmglocken bei den Parteien
Durchwegs alarmiert haben die heimischen Parteien die Demokratie-Defizite bei Islam-Lehrern reagiert. Die ÖVP Wien sah die Islamische Glaubensgemeinschaft und ihren Präsidenten Anas Shakfeh gefordert, das BZÖ zeigte sich entsetzt über eine "gefährliche Subgesellschaft", und die Grünen riefen nach einer "besseren Aufsicht" über die Religionslehrer, "dort, wo es Probleme gibt".

"Fanatische Haltungen"
Khorchide führte seine Umfrage im Jahr 2007 durch und kam dabei zu dem Schluss, dass 22,6 Prozent der Lehrer "fanatische Haltungen" einnähmen, wobei die Ablehnung rechtsstaatlicher Prinzipien mit höherem Alter der Befragten steige.

Weitere Details, wobei bei der Zustimmung jeweils die Antworten "trifft zu" und "trifft eher zu" addiert wurden: 8,5 Prozent bezeichnen es als "verständlich, wenn Gewalt zur Verbreitung des Islam angewendet wird". 28,4 Prozent sehen einen Widerspruch darin, Muslim und Europäer zu sein; 44 Prozent finden, sie müssten ihre "Schüler befähigen, zu erkennen, dass sie, weil sie Muslime sind, besser als ihre Mitschüler sind".

(apa/red)

28.1.2009 11:18