Donnerstag, 19. Februar 2009

Premiere! Erste Frau designt eine Moschee: Moderner Bau mit Fassade aus Glas & Metall

  • Zeynep Fadillioglu: Es gibt keine Grenzen beim Bauen
  • Standfester Beweis: Architektur kennt kein Geschlecht

Dass Architektur kein Geschlecht kennt, wissen wir bereits seit langer Zeit. Dass eine Frau in einer von Männern dominierten Weltreligion an den Zeichentisch gelassen wird, wenn es um ebendiese geht, ist allerdings neu: Als erste Frau baut die Istanbuler Designerin Zeynep Fadillioglu in der Türkei eine Moschee.

"Ich bin Muslimin. Ich bin immer in die Moschee gegangen", sagt Fadillioglu, die bisher Hotels und Restaurants entworfen und eine Berliner Villa restauriert hat. Die Moschee soll nicht einfach eine Replik traditioneller, osmanischer Moscheen sein. Ergebnis Fadillioglus Arbeiten ist daher ein moderner Bau, der mit seiner weiten Kuppel und den zwei Minaretten aber sofort als Moschee erkennbar ist.

Glas und Metall
Die Fassaden aber bestehen aus Glas und einer verzierenden Metallstruktur. Das Gebäude soll etwa 340 Betenden Platz bieten, im Vorhof gibt es Platz für etwa 300 weitere Menschen. Im April soll die Moschee eröffnet werden.

Der grundlegende Entwurf stammt vom renommierten türkischen Architekten Hüsrev Tayla, der inzwischen 80 Jahre alt ist und in der Türkei eine Vielzahl von Moscheen gebaut hat. Er ist etwas verbittert darüber, wie die Designerin ihre Rolle in der Öffentlichkeit verkauft. "Es gibt in der Türkei fünf Architekten, die vor allem Moscheen bauen. Darunter ist keine Frau - leider", sagt Tayla.

Geklaute Anerkennung?
Trotz der Kritik ist Fadillioglu in ihrer Rolle eine Pionierin, auch wenn sie vor allem die Ausgestaltung des Entwurfs übernommen hat. "Ich dachte, es müsste Grenzen geben. Gibt es aber nicht. Die Beschränkungen sind in den Köpfen", sagt die Designerin. (apa/red)

19.2.2009 10:10