Hoffnung geben, Ängste nehmen. Wirklich? Über Diskussionen zur Wirtschaftskrise
- NEWS-Redakteur Huber Wachter

Letzten Sonntagabend, Zentrums-Diskussion zur Finanz- und Wirtschaftskrise im zweiten TV-Kanal. Eine mit Stars aus Politik, Industrie und Wirtschaft ansehnliche Runde hatte sich da im Haas-Haus versammelt. Um den vielleicht Arbeitsplatz-geängstigten, von der Finanzkrise jedenfalls bis zur Weißglut zornigen Österreichern zu erklären, was denn jetzt so alles zu tun sei, um die ärgsten Auswirkungen auf Jobs, Einkommen und überhaupt abzuwehren.
Hoffnung geben, Ängste nehmen: Dieser Satz sollte eigentlich Maxime aller sein, die im politischen Feld tätig sind. Aber was passierte da am Sonntagabend? Genau das Gegenteil! Trotz heftigster Bemühungen des Moderators war es schier unmöglich, auch nur im Ansatz etwas Auskunft zu bekommen. Es war Hannes Androsch, der unverblümt davon sprach, dass sich die härteste Krise seit den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts abzeichnet. Dass sich nur mehr über 70-Jährige überhaupt vorstellen könnten, was das im schlimmsten Fall hieße hohe Arbeitslosigkeit mit all ihren strukturellen, sozialen und politischen Folgen. Daher, so Androsch in aller Klarheit: Die Regierung müsse viel schneller und in der Sache viel, viel massiver agieren. Dann resignierte er, denn Salbungsvolleres schien angebrachter
Hilflose Schönfärberei. Einen Ombudsmann für verzweifelt Kredit suchende Mittelständler gebe es doch schon. Lieb. Das wird Banker beeindrucken. Steuersenkung? Ach ja, die werde irgendwann im April/Mai beschlossen, und das eh rückwirkend. Dass Wirtschaftsprofessor Felderer mit Androsch über bad banks zu streiten begann, was sollte dies dem einfachen TV-Zuschauer sagen? Und dass es aktuell schon über 300.000 Arbeitslose gibt, sei bedauerlich, aber doch auch der noch zweitbeste EU-Wert. Eh fesch!
Fazit: eine vertane Chance. Der TV-Konsument blieb ratlos, unaufgeklärt und grimmig zurück.
