Mittwoch, 21. Jänner 2009

Kreditklemme wird in Osteuropa befürchtet:
Bank Austria denkt aber nicht an Rückzug

  • BA-Chef Hampel geht von gebremsten Wachstum aus
  • Internationales Konzept für Osteuropa vorgeschlagen

Bank-Austria-Chef Erich Hampel, der im UniCredit-Konzernvorstand Osteuropa verantwortet, hat einen international akkordierten "Plan für Osteuropa" eingefordert, um der Krise Herr zu werden. Hampel räumte ein, dass das Risiko einer "Kreditklemme" in Ländern der Region gegeben ist. Und das sei weder im Interesse der betroffenen Länder noch der dort vertretenen Banken.

Ganz Osteuropa über einen Kamm zu scheren, wie viele es täten, entspreche jedoch nicht der Realität, sagte Hampel. "Wir wissen, dass die Risiken größer werden", erklärte er bei der diesjährigen Euromoney-Konferenz in Wien. Auch UniCredit beobachte diese Risiken genau.

Er versicherte, dass UniCredit als langfristiger Investor in der Region bleiben und auch die Kreditvergabe nicht stoppen werde. "Wir werden alles tun, um eine Kreditklemme zu vermeiden." Die internationalen Banken würden ihren Part beitragen.

Gebremstes Wachstum
Hampel geht davon aus, dass das Wachstum in CEE erhalten bleibt, wenn auch gebremst. Allerdings, so räumte Hampel nach Gesprächen auch mit Notenbankchefs aus der Region ein, könne sich niemand an Zeiten erinnern, in denen BIP-Prognosen so schnell revidiert werden müssen.

In den Budgets für 2009, die noch nicht veröffentlicht sind, sei vorgesehen, "dass wir alle Linien verlängern" und wenn nötig ausdehnen. UniCredit werde die Ostbanken weiter mit den nötigen Mittlen (Liquidität) ausstatten. Kapitalerhöhungen in den CEE-Töchtern stünden hingegen nicht auf der Agenda.

Die Konditionen für die Kreditvergabe wurden infolge der Krise bereits verschärft. Viele Haushalte in Osteuropa stöhnen bereits unter ihrer Schuldenlast. Immerhin müssen in Zentral/Osteuropa die Haushalte im Schnitt mehr als 30 Prozent ihres Einkommens zur Schuldenrückzahlung berappen, so die UniCredit-Experten. In Euroland sind es im Schnitt rund 10 Prozent.

Plan für Osteuropa gefordert
Zusätzlich zu den nationalen Banken-Hilfspaketen in einzelnen Ländern der Region und den bereits erfolgten Milliarden-Interventionen etwa des IWF forderte Hampel einen zügig umzusetzenden "Plan für CEE". An dem sollten alle Player und Institutionen mitwirken. Über ein allfälliges Volumen eines solchen umfassenden Unterstützungspakets machte er keine Angaben. Die Banken seien jedenfalls bereit, als verantwortungsbewusste und langfristige Investoren ihre Rolle zu spielen.

Wie die Experten von UniCredit vorrechneten, braucht allein der Bankensektor in Ost/Südosteuropa inklusive Russland Ukraine mehr als 400 Mrd. Euro an Liquidität von außen, um das Wachstum aufrechtzuerhalten. Der - in vielen Ländern im Osten international dominierte - Bankensektor sei eine Triebkraft für das Wachstum der Region, und UniCredit zählte zu den Pionieren.

2009 werde für die Banken in der Region unter dem Eindruck der Krise ein "herausforderndes" und "schwieriges" Jahr sein, ebenso wie das Jahr 2010, prognostizierte der Bank-Austria-Chef.
(apa/red)

21.1.2009 15:08