Die Tage des Generaldirektors sind gezählt:
ORF-Chef Wrabetz kämpft um seinen Posten
- Koalition will in Kürze einen Wechsel herbeiführen
- NEWS: Wann die Regierung Wrabetz demontiert

Er versucht sich ja wirklich tapfer zu schlagen. Er führt jede Menge Mitarbeitergespräche. Redet permanent mit den ORF-Stiftungsräten. Und um ein richtig sympathisches Zeichen zu setzen, hat er sogar den Besuch des Opernballs abgesagt. Aber all seine Bemühungen scheinen vergebens zu sein. Für ORF-Chef Alexander Wrabetz werden die kommenden Wochen wohl so bleiben, wie seine letzten waren: hart und fordernd.
Denn wenn es nach der Politik geht, ist Wrabetz schon in Bälde Ex-Generaldirektor. Die rot-schwarze Koalition will bloß noch die Entscheidung der EU-Kommission in Sachen Wettbewerbsbeschwerde gegen Österreich abwarten und dann mit einem Organisationsreformgesetz endgültig tabula rasa machen.
Offiziell hat Wrabetz noch eine Schonfrist bis zum nächsten ORF-Stiftungsrat im Frühjahr. Bis dahin muss sein Sparpaket auf Schienen sein. Hinter den Kulissen wird freilich längst an der Ablöse des gesamten ORF-Direktoriums gebastelt. Denn nicht nur Wrabetz, sondern sämtliche seiner Direktoren allen voran auch ORF-Informationsdirektor Elmar Oberhauser sollen abtreten, wenn es nach der Koalition geht. Vor allem die ÖVP wie zuletzt VP-Landeshauptmann Erwin Pröll und der schwarze Vizekanzler Josef Pröll in NEWS machen Druck. Sie wollen, dass spätestens im Frühjahr Schluss mit lustig ist und die Nachfolger von Wrabetz und Co gewählt werden können.
Koalition will Wechsel
Aber auch die rote Spitze will nicht mehr allzu lange zuschauen. Wir können uns keine neue AUA leisten, meint etwa ein SP-Mann. Allerdings wollen die Roten und insbesondere Bundeskanzler Werner Faymann und sein Medienstaatssekretär Josef Ostermayer eine übereilte Aktion verhindern. Sie wünschen sich für den ORF eine starke journalistische Führung in der ORF-Generaldirektion und einen starken kaufmännischen Direktor.
Wrabetz der der SPÖ nahesteht scheint aber in jedem Fall nicht mehr in der Gunst zu stehen. Aussichtsreichster Nachfolger des amtierenden Generaldirektors wäre der derzeitige ORF-Chefredakteur Karl Amon, wenn es nach der Koalition geht.
Kein kampfloser Rückzug
Wrabetz selbst hat seinen Kampf noch nicht aufgegeben. Er will weiterhin an seinen ORF-Sparplänen basteln, seine Mitarbeiter hinter sich bringen und die Politik schlussendlich davon überzeugen, ihm zumindest noch ein Jahr Zeit zu lassen. Um seine Kritiker zu befrieden, würde der ORF-Chef einige seiner Direktoren Info-Chef Oberhauser und Programmdirektor Wolfgang Lorenz in die Pension schicken. Dass Wrabetz freilich wirklich noch ein Jahr in Amt und Würden bleiben wird, bezweifeln Kenner.
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