Montag, 19. Jänner 2009

Rechnungshof schießt sich auf den ORF ein:
Bericht attestiert grobe Geldverschwendung

  • Organisation, Ausrichtung, Personalkosten kritisiert
  • Mehr Kostenbewusstsein bei Sportrechten verlangt

Äußerst kritisch fällt der offizielle ORF-Rechnungshofbericht aus. Der Rechnungshof ortet ein hohes Reform- und Sparpotenzial im öffentlich-rechtlichen Sender und bleibt im Wesentlichen bei seiner bereits im Rohbericht geäußerten Beurteilung. In der Organisation des Senders werden "Schnittstellenprobleme, Doppelgleisigkeiten und nicht klar abgegrenzte Verantwortlichkeiten" konstatiert.

"Dem ORF fehlte nach wie vor eine umfassende Gesamtstrategie. Die Folge waren ineffiziente Organisationsstrukturen, nicht realisierte Einsparungspotenziale und hohe Personalkosten", so der Kern des knapp 90-seitigen Berichts. Sowohl der ORF-Stiftungsrat als oberstes Aufsichtsgremium als auch das ORF-Direktorium erachtet der Rechnungshof als zu groß dimensioniert.

Empfohlen wird eine Auflösung der Online-Direktion, da Online-Agenden auch von der "am Markt gut positionierten" Tochtergesellschaft ORF Online und Teletext umgesetzt werden könnten. Die Einsparung der Führungsstruktur würde immerhin 750.000 Euro bringen.

Der Rechnungshof schlägt vor, "die Redaktionsstrukturen und -konzepte zu überarbeiten und die generelle redaktionelle Trennung von Fernsehen, Radio, Online und Teletext zu überdenken". Moniert wird weiters die 2007 erfolgte Zweiteilung der TV-Hauptabteilung Information.

Mehr Kostenbewusstsein bei Sportrechten
Auch bei den Sportrechten wünscht sich der Rechnungshof mehr Kostenbewusstsein. Die Programmkosten im Sport betrugen 2004 rund 57 Mio. Euro und stiegen bis 2007 auf knapp 71 Mio. Euro. Kritisch beurteilt der Rechnungshof die Situation in der ORF-Technik, jener Direktion mit dem größten Personalstand im ORF-Konzern. Kritisiert werden die Sonderregelungen beim Arbeitszeit-KV sowie die hohen Kosten der technischen Eigenleistungen.

Als äußerst mangelhaft wird die Kontrolle durch den ORF-Stiftungsrat beurteilt. Darüber hinaus ist der Stiftungsrat mit 35 Mitgliedern laut Rechnungshof "groß und unbeweglich".

Der Rechnungshof spricht sich insgesamt für eine "tiefgreifende Reform" der ORF-Organisation aus: deutliche Straffung, flache Hierarchien, kurze Entscheidungswege, klare Verantwortungen.
(apa/red)

19.1.2009 14:07