Revanche ohne i-Tüpfelchen auf der Streif: ÖSV-Abfahrer trotzten in Kitzbühel der Krise
- Walchhofer und Kröll: Zwei Österreicher am Podest
- Abfahrts-Team für die WM in Val d'Isere so gut wie fix

·Alles Käse! Defago verhindert ÖSV-Sieg
Schweizer gewinnt in Kitz vor Walchhofer und Kröll
·Lange Gesichter bei Herren in Kitzbühel
Slalom-Asse stechen in der Entscheidung nicht
·Maiers Kitzbühel-
Serie endete brutal
Platz zwölf im Super-G. Maier: "Nicht enttäuscht!"
"Die Revanche ist mannschaftlich absolut geglückt, das I-Tüfelchen ist halt abgegangen." Auch Michael Walchhofer hat am Samstag nach dem Abfahrtsklassiker in Kitzbühel kräftig durchgeatmet. Nach der Abfuhr in Wengen haben die rot-weiß-roten Ski-Herren mit Platz zwei durch Walchhofer, drei durch Klaus Kröll, zehn durch Hermann Maier und zwölf durch Benjamin Raich auf der Streif der Abfahrtskrise getrotzt. Der Sieg war wie auf dem Lauberhorn an den Schweizer Didier Defago gegangen.
Walchhofer war "auf Sieg programmiert" gewesen, verpasste diesen aber, als es ihn in der Kompression vor dem Zielsprung tief hineindrückte. Es hätte böse ausgehen können, so ist zum Glück nichts passiert und der Salzburger war mit dem Ergebnis deshalb zufrieden. "Deshalb muss ich froh sein mit dem zweiten Platz, über den Hausberg hatte ich eine Spur zu viel Respekt, da wäre noch mehr drinnen gewesen, wenn ich gnadenlos reingedruckt hätte." Walchhofer hatte in den letzten Sekunden vor dem Start gehört, dass Defago Bestzeit hatte, das habe ihm "kurz die Konzentration" genommen.
Dass der Westschweizer Defago gleich zweimal hintereinander zuschlage, das sei ein Wahnsinn, denn normalerweise sei er immer bekannt dafür gewesen, dass er schnell sei, wenn man nichts von ihm erwarte, erklärte Walchhofer. "Doch er hat das Gegenteil bewiesen. Der Sieg in Wengen hat noch einmal den Weg nach ganz vorn geöffnet. Die Ski funktionieren bei ihm sicher optimal, ich habe da vielleicht ein bisserl zu viel rumprobiert zuletzt. Der zweite Platz gibt mir deshalb viel Sicherheit vom Material her, das war ganz wichtig", nahm Walchhofer nur Positives aus Kitzbühel mit.
Hermann Maier gelang das beste Abfahrtsergebnis in diesem Winter, das gab dem Flachauer Selbstvertrauen, auch er würdigte Defagos Auftritte. "Unglaublich, dass er Wengen und Kitzbühel gewinnt. Bei dem ist es dahingegangen. Den Zielhang ist er sensationell gefahren, kompromisslos." In Garmisch steht vor den Weltmeisterschaften neben dem Slalom noch die Abfahrt auf dem Programm, mit einem weiteren Top-Ten-Resultat gäbe es an der Aufstellung Maiers in der WM-Abfahrt in Val d'Isere wohl nichts zu rütteln, Walchhofer und Kröll gelten ja als Fixstarter, die anderen Speedpiloten werden in die Qualifikation müssen.
Ein Traumwochenende hat in der Gamsstadt Klaus Kröll, der Sieger im Super-G und Dritte der Abfahrt, erlebt. "Ich bin jetzt wieder da weitergefahren, wo ich vor Wengen aufgehört habe. Es läuft wieder alles so, wie ich mir das vorstelle", sagte der Steirer, der sich in Wengen drei Handwurzelknochen gebrochen hat und mit Spezialschiene in Kitzbühel zweimal auf das Podest kam. Er denke keine Minute mehr an die Hand während des Fahrens, den Stress nach dem Super-G-Erfolg habe er gut verarbeitet. Und so war der Weg frei für ein Topresultat in der Abfahrt: "Als ich hierher fuhr, habe ich gehofft, dass ich einmal unter die Fünf komme. Dieses Ergebnis ist unglaublich", braucht der Familienvater noch etwas Zeit zum Realisieren.
(apa/red)
