Sonntag, 25. Jänner 2009

Lampedusa versinkt im Flüchtlings-Chaos: Lage nach Migrantenausbruch angespannt

  • Auffanglager ist seit Wochen hoffnungslos überfüllt
  • Berlusconi schockt: "Das ist kein Konzentrationslager"

Nach dem Ausbruch mehrerer hundert Migranten aus dem Flüchtlingslager auf Lampedusa ausgebrochen sind, um gegen ihre Lebensbedingungen zu demonstrieren, bleibt die Lage auf der italienischen Mittelmeerinsel gespannt. Es trafen mehrere Polizisten ein. Die meisten Flüchtlinge kehrten freiwillig in das für 800 Insassen ausgelegte Lager zurück, in dem sich derzeit 1.300 Menschen aufhalten.

Zuvor hatten sich rund 650 Flüchtlinge die Öffnung der Lagertore erzwungen und zogen protestierend zum Stadtzentrum. Sie marschierten zum Gemeindeamt Lampedusas auf dem Hauptplatz und skandierten Slogans wie "Freiheit!" und "Helft uns". Die Flüchtlinge wurden von den Bewohnern der Insel mit Applaus begrüßt. Eine Delegation von Bewohnern der Insel protestierte gegen die Regierung, die ein zweites Flüchtlingslager zur Identifizierung und Abschiebung der Migranten errichten will. "Lampedusa ist kein Alcatraz", lautete der Slogan des Bürgermeisters Bernardino De Rubeis.

Auffanglager ist seit Wochen überfüllt
Das Auffanglager der Insel ist seit Wochen überfüllt. Während die Bootsflüchtlinge bisher nach nur wenigen Tagen von Lampedusa auf das Festland gebracht wurden, hatte Innenminister Roberto Maroni angesichts der massiven Flüchtlingsströme direkte Rücktransporte von der Insel in die Herkunftsländer angekündigt. Er plant die Errichtung eines zweiten Auffanglagers zur Identifizierung der Flüchtlinge. Die neue Einrichtung soll neben dem bereits bestehenden und chronisch überlasteten Auffanglager etabliert werden. Maroni will am kommenden Dienstag seinen tunesischen Amtskollegen treffen, um die Prozeduren zur Abschiebung 1.200 tunesischer Flüchtlinge zu beschleunigen, die sich auf Lampedusa befinden.

Berlusconi sorgte für Unmut
Italiens Regierungschef Berlusconi sorgte für Unmut und Verwunderung mit seinen Äußerungen zu Lampedusa. "Das ist kein Konzentrationslager", sagte Berlusconi. Es stehe den illegalen Einwanderern in dem Lager frei, jederzeit "ein Bier trinken zu gehen".

(apa/red)

25.1.2009 12:11