In Bohunice bleibt der Atomreaktor kalt:
Slowakei erhält doch genug Gaslieferungen
- Stillgelegter Reaktor sollte Energiedefizit ausgleichen
- Anlage V-1 war erst vor kurzem stillgelegt worden

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Der Block V1 des slowakischen Atomkraftwerks Jaslovske Bohunice geht vorerst nicht in Betrieb. Die Slowakei habe ausreichend Gaslieferungen aus Tschechien erhalten, begründete Außenminister Jan Kubis die Entscheidung der Regierung in Bratislava (Preßburg). Damit sei zumindest vorläufig ein Hochfahren des jüngst stillgelegten Reaktors nicht erforderlich, sagte Kubis. Österreichische Politiker und Umweltorganisationen begrüßten in ersten Reaktionen die Entscheidung der Slowakei.
Kubis erklärte, dass die Slowakei noch diese Woche Gas aus Russland via Ukraine erwarte. Damit sei ein Hochfahren des Reaktors "immer unwahrscheinlicher" geworden. Die Slowakei sei aber nach wie vor bereit, den Reaktor - wenn nötig - in Betrieb zu nehmen, fügte Kubis hinzu.
Der slowakische Außenminister hatte seinem österreichischen Amtskollegen Michael Spindelegger die Entscheidung in einem Telefonat mitgeteilt. Kubis hatte laut Außenministerium bei einem Wien-Besuch in der Vorwoche versprochen, die österreichische Regierung bezüglich Bohunice auf dem Laufenden zu halten. Das Telefonat sei daher "ein follow-up" zu dem Besuch gewesen, sagte der Sprecher von Spindelegger, Alexander Schallenberg.
Spindelegger erfreut
Spindelegger begrüßte die Entscheidung. Er habe gleichzeitig gegenüber Kubis seine Hoffnung ausgedrückt, dass Bratislava "überhaupt auf Schritte verzichtet", den Reaktor in Bohunice wieder hochzufahren, sagte Schallenberg. Erfreut und beruhigt über die Nachricht aus Bratislava zeigten sich auch Christiane Brunner, Umwelt- und Energiesprecherin der Grünen. "Die slowakische Regierung hat dem Drängen der Atomlobby nicht nachgegeben. Nun muss alles daran gesetzt werden, den Reaktor ehestmöglich abzuwracken und so betriebsunfähig zu machen", sagte Brunner.
BZÖ-Energiesprecher Rainer Widmann begrüßte zwar die Entscheidung, fordert aber eine "weitergehende Erklärung" der slowakischen Regierung. "Das BZÖ verlangt eine Garantieerklärung der Slowakei, für immer auf eine Inbetriebnahme von Bohunice zu verzichten. Jetzt haben der internationale Druck und der angekündigte Widerstand, gepaart mit der versprochenen Wiederaufnahme der Gastransporte, das erneute Hochfahren von Bohunice verhindert. Die Gefahr einer Wiederinbetriebnahme des Pannenreaktors besteht aber weiterhin und die slowakische Regierung wird sicherlich auch die nächste Möglichkeit nutzen, um einen neuen Versuch zu starten, Bohunice erneut in Betrieb zu stellen", so Widmann.
Greenpeace: Druck zeigt Wirkung
Die Umweltorganisation Greenpeace begrüßte die Entscheidung der Slowakei. "Der Druck von der EU, von Österreich und von Umweltorganisationen wie Greenpeace hat offenbar Wirkung gezeigt. Wir freuen uns, dass die Slowakei das gefährliche Atomroulette mit dem Schrottreaktor Bohunice V1 beendet hat. Jetzt muss der Reaktor möglichst schnell abgewrackt werden, damit eine Wiederinbetriebnahme nicht mehr möglich ist", sagte Jurrien Westerhof von Greenpeace. Die Gaskrise sei nur ein Vorwand der slowakischen Atomlobby gewesen, um den Reaktor wieder in Betrieb zu nehmen und so schnelles Geld mit dem Export von Atomstrom zu verdienen.
Der Reaktorblock im AKW Bohunice war erst Ende Dezember stillgelegt worden. Angesichts des Energie-Notstands wegen der Gas-Krise hatte die Regierung in Bratislava jedoch am 10. Jänner beschlossen, das Hochfahren der Anlage V1 prüfen zu wollen. Die vom russisch-ukrainischen Gas-Streit besonders stark betroffene Slowakei bekam schließlich seit Sonntag Gas aus Tschechien geliefert.
(apa/red)
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