Montag, 19. Jänner 2009

Schuhwerfer beantragt Asyl in der Schweiz:
Bush-Attentäter muss 'Hölle' Irak entfliehen

  • Familie dementiert jedoch Berichte über Asylantrag
  • Prozess im Irak wurde auf unbestimmte Zeit vertagt

Der als Schuhwerfer bekanntgewordene irakische Journalist Muntazer al-Zaidi will in der Schweiz Asyl beantragen. Der Anwalt Mauro Poggia sagte, die Angehörigen Zaidis seien mit ihm in Kontakt getreten; er werde in dieser Woche beim Außenministerium in Bern einen entsprechenden Antrag einreichen.

Zaidi hatte beim Abschiedsbesuch von US-Präsident George W. Bush in Bagdad am 14. Dezember seine Schuhe in die Richtung Bushs geworfen, der sich jedoch wegduckte und nicht getroffen wurde. Im Irak muss Zaidi mit bis zu 15 Jahren Haft rechnen.

Familie dementiert Asyl-Bericht
Die Familie des Schuhwerfers hat Berichte über einen politischen Asylantrag als "Lüge" zurückgewiesen. Das Büro des Genfer Anwalts Mauro Poggia bestätigte indes einen Bericht der Genfer Zeitung "Tribune de Genève", Saidi wolle in der Schweiz um Asyl ansuchen."Diese Nachricht entbehrt jeder Grundlage, Montasser hat keinen Antrag auf politisches Asyl gestellt. Das ist eine Lüge", kommentierte sein jüngerer Bruder den Bericht. Die Familie sei lediglich von einer Gruppe von Anwälten aus Genf kontaktiert worden, die ihr angeboten habe, sich an der Verteidigung des Journalisten zu beteiligen. "Das haben wir nicht abgelehnt."

Prozess auf unbestimmte Zeit vertagt
Der Bagdader Prozess gegen Zaidi, der eigentlich kurz vor Jahresende beginnen sollte, war auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Es sei bekannt, dass Zaidi "sehr kritisch" gegenüber der irakischen Regierung eingestellt sei, weil diese nach seiner Ansicht der US-Regierung "zu ergeben" sei, erläuterte Poggia. In seinem Heimatland werde Zaidi "als Journalist nicht arbeiten können, ohne schrecklichem Druck ausgesetzt zu sein". Er gehe davon aus, dass das Verfahren im Irak mit einer Bewährungsstrafe abgeschlossen werden könne.
(apa/red)

19.1.2009 16:03