"Der Todesengel auf seiner Schulter":
Neues von Bernhard aus seinem Nachlass
- 20 Jahre nach seinem Tod erscheint "Meine Preise"
- NEWS zum grandiosen Band des Ausnahme-Erzählers

Am 4. November wurde Heldenplatz uraufgeführt. Am 12. Februar 1989, dem Todestag seines Großvaters, des Dichters Johannes Freumbichler, starb Thomas Bernhard an einem in der Jugend erworbenen Lungenleiden. 20 Jahre später erscheint die Empörung von damals wie ein bizarrer Spuk von einem anderen Stern. Kaum hatten die Nachlassverwalter das testamentarisch verfügte Aufführungsverbot aufgehoben, wurde Bernhard gespielt, als ginge es ums Leben.
Seine Stücke sind wahre Publikumsreißer, und sie sind alles andere als politisches Kampftheater. Bernhard, darüber herrscht Konsens, ist einer der größten Komödienautoren der jüngeren Literaturgeschichte. Er hat etwas gemacht, was es nicht mehr oft gibt, sagt der große Schauspieler Gert Voss. "Er hat wunderbare Rollen geschrieben, verrückte, unverwechselbare Charaktere. Er ist für mich, was früher einmal Molière war: ein ganz großer Theatererfinder mit wunderbarem Sarkasmus und einer Sprache von großer Weisheit, Hellsicht und philosophischer Tiefe."
Komisches und Trauriges in "Meine Preise"
Voss liest am 23. Jänner im Burgtheater aus einer Neuerscheinung, die mit Daniel Kehlmanns Ruhm um die Spitze der hiesigen Verkaufslisten rittern wird: Meine Preise (Suhrkamp, 16,30 Euro) ist ein im Nachlass gefundenes Bündel Reportagen über diverse Preisverleihungen an den Dichter. Es ist wunderbar, ihm in neuen Prosatexten wiederzubegegnen, sagt Voss. Sie sind komisch und traurig zugleich. Einer wie er, der immer so nah am Tode war, musste sich der Inkompetenz und Impotenz der Preisverleiher aussetzen, um überleben zu können. Er hat das Geld unter anderem dazu verwendet, um seiner Tante die Schulden für seine Verlegung auf die Todesstation in der Lungenabteilung auf dem Steinhof abtragen zu können. Er sagte, er habe den Todesvogel immer auf der Schulter gehabt.
Begegnungen mit Bernhard
Ins Ornithologische weist auch Voss erste von nur drei theatralischen Begegnungen mit Bernhard. In der Uraufführung der Groteske Immanuel Kant (1978 in Stuttgart, Regie: Claus Peymann) sprang er mit großem persönlichem Erfolg als Synchronstimme eines Papageien neben Bernhard Minetti ein. Das Aufkommen verbesserte sich stark: Aus Bewunderung schrieb Bernhard für Voss und zwei ingeniöse Kolleginnen Ritter, Dene, Voss (Uraufführung unter Peymann 1986 bei den Salzburger Festspielen). Die Produktion wurde vor eineinhalb Jahren in Wien und Berlin wiederaufgenommen und ein Renner sondergleichen.
Am 4. November wurde Heldenplatz uraufgeführt. Am 12. Februar 1989, dem Todestag seines Großvaters, des Dichters Johannes Freumbichler, starb Thomas Bernhard an einem in der Jugend erworbenen Lungenleiden. Neuer Bernhard aus dem Nachlass. 20 Jahre später erscheint die Empörung von damals wie ein bizarrer Spuk von einem anderen Stern. Kaum hatten die Nachlassverwalter das testamentarisch verfügte Aufführungsverbot aufgehoben, wurde Bernhard gespielt, als ginge es ums Leben.
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