Eine Witz(e)figur als Nachfolger Haiders?
Schweres Erbe für Landeshauptmann Dörfler
- Wie ein Toter den Kärntner Wahlkampf dominiert
- NEWS über dumme Späßchen und Distanzprobleme
·Landeshauptleute seit 1945 in Kärnten
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·Kärnten: Dörfler will
an Spitze bleiben
BZÖ-Führung steht am
1. März auf dem Prüfstein

"Politik muss Spaß machen, davon ist Landeshauptmann Gerhard Dörfler, BZÖ, überzeugt. Deshalb hat er ein Auge darauf, dass der Schmäh rennt, wenn er in Kärnten wahlkämpft. Es ist ja schwer genug für den 53-Jährigen, in den viel zu großen Fußstapfen Jörg Haiders unterwegs zu sein und in rund sieben Wochen Platz eins verteidigen zu müssen.
Wenn Dörfler also frühmorgens Arbeiter in der Fabrik besucht, springt er als Gag spontan auf querliegende Stahlträger, balanciert darauf und blickt lachend um sich. Und jedem Beschäftigten überreicht Dörfler freudig einen kleinen Stofflöwen, der ein Kärntner Trachten-Halstuch trägt, mit den Worten: Der Löwe wird ganz wild, wenn du uns am 1. März nicht wählst. Dann frisst er dich auf! Am Tag nach der Wahl werde er vorbeikommen, um zu sehen, ob der Arbeiter noch am Leben sei, droht Dörfler scherzend.
Freilich zielt so mancher Witz noch deutlicher unter die Geschmacksgrenze. Als der Landeschef neulich bei einer öffentlichen Veranstaltung in Anwesenheit des schwarzen Showstars Roberto Blanco einen rassistischen Witz zum Besten gab, wollte kaum jemand lachen. Dass ihm ein Schnitzer unterlaufen sei, konnte Dörfler nicht glauben, er habe den Witz wohl schlecht erzählt, entschuldigte er die Stille. Aber noch mehr als müde Kalauer beschäftigt die Parteien in Kärnten, wie sie sich erfolgreich als die wahren Erben von Jörg Haider inszenieren.
Alle wollen Haider
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache beschwor beim Neujahrstreffen seiner Partei am Wochenende in Klagenfurt unermüdlich den Geist des verstorbenen Landeshauptmanns, der im Oktober mit mehr als 140 km/h und 1,8 Promille in den Tod gerast war. Die Arbeit Jörg Haiders in Kärnten soll nicht umsonst gewesen sein. Er ist und war ein Teil der Geschichte der FPÖ. Nur wir können das Erbe von Jörg Haider retten und bewahren. Der Kärntner FPÖ-Chef Franz Schwager findet, wir sind die logischen Erben des dritten Lagers, und der freiheitliche Spitzenkandidat Mario Canori hebt bei jeder Gelegenheit hervor, dass Haider sein Trauzeuge gewesen sei und er den früheren Landeshauptmann mit großer Leidenschaft auf seinem Weg begleitet hat.
Landeshauptmann auf Tuchfühlung
Die Werte für Dörfler hingegen sind in den meisten Umfragen überraschend gut. Der Quereinsteiger fühlt sich auch wie einst Jörg Haider "über die Parteigrenzen hinweg anerkannt". Er kennt keine Berührungsängste mit dem Wahlvolk. Deshalb ist niemand vor seiner Zuneigung sicher. Kein Baby bleibt auf seiner Wahlkampftour ungeherzt. Marschiert er in den Supermarkt, zieht er den Angestellten höchstpersönlich Jacken mit dem Kärnten-Emblem an und stellt sich dafür hinter die Wursttheke. Besucht er den Friseurladen im Einkaufszentrum, streichelt er die orangegefärbten Haare der Friseurin und zieht sogleich ein Antragsformular für die BZÖ-Mitgliedschaft aus der Tasche. Es dauert keine drei Minuten, bis Dörfler die Daten ausgefüllt und die Unterschrift des Mädchens organisiert hat.
Dörfler streckt den Kärntnern nicht einfach nur die Hand entgegen, er fasst sein Gegenüber so an, dass "die Menschen sich festhalten
können und beschützt fühlen". Nur Augenblicke nach dem verunglückten rassistischen Witz umarmt er Roberto Blanco und bietet ihm persönliche Nachhilfe im Skiunterricht an. "Die einzige Beziehung und Liebelei, die ich habe, habe ich mit dem Wähler", sagt der orange Anwärter auf den Landeshauptmannsessel.
Holt Claudia Haider den Wahlsieg?
Doch das alles würde den früheren Verkehrslandesrat nicht zum Wahlsieg führen, gäbe es nicht die Witwe Claudia Haider. Sie ist ein ideales Symbol für die Haider-Nostalgie im Land. Ihre Auftritte im Wahlkampf sind rar, aber umso effektiver. Beim orangen Neujahrstreffen in Salzburg appellierte sie an die Delegierten, die Erinnerungen an Jörg Haider "als einen Schatz zu betrachten, den man nur zu besonderen Gelegenheiten herausholt". Claudia Haider, so meinen Beobachter, will, dass Haiders Weg fortgesetzt wird. Das, so signalisiert die orange Wahlkampagne, ist auch der Wunsch des BZÖ. Auf Wunsch von Haider hatte es eine zweite Untersuchung der Innsbrucker Gerichtsmedizin gegeben, die die Alkohol-Promillewerte von Jörg Haider zum Unfallzeitpunkt bestätigt hatte. Zu Dörflers Strategie gehört es nun, auch diese offiziellen Beweise anzuzweifeln.
Dörfler allein zuhaus?
Geht es hingegen um Dörfler, mit dem der Landesrat im Team bei der Wahl antritt, erlaubt sich Scheuch immer wieder eine kleine Spitze. Zuletzt hatte er angesprochen auf den rassistischen Witz gemeint, Dörfler habe zu manchen Dingen eine einfache Einstellung. Kenner meinen, Uwe Scheuch könnte langfristig auf den Landeshauptmann-Thron klettern und Dörfler entmachten. Und während die Kärntner FPÖ ihre Abneigung gegenüber Dörfler demonstriert, könnte Scheuch, der einer freiheitlich-nationalen Großbauernfamilie entstammt, ein besseres Angebot an die FPÖ sein.
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