"Atomkraft ist Droge mit Nebenwirkungen":
Berlakovich prangert nukleare Energie an
- Umweltminister gegen den Nimbus der Atomkraft
- Kernkraftwerke könnten Ziele des Terrors werden

·Vorerst kein Reaktor-
Neustart in Bohunice
Endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus
Umweltminister Nikolaus Berlakovich hat sich erneut gegen die Nutzung von Atomkraft ausgesprochen. "Atomkraft ist eine Droge mit bösen Nebenwirkungen", erklärte Berlakovich in der ORF-Sendung "Im Zentrum" zum Thema "Atomkraft als Heilmittel gegen Gas-Notstand und Energiekrise?". Die Mehrheit der Österreicher sage nach wie vor "Nein zu Atomkraft", außerdem sei die Frage der Endlagerung noch immer nicht geklärt.
Die Zukunft liege in der erneuerbaren Energie wie Wasserkraft, Windenergie oder Biomasse. Zudem würde diese auch den Arbeitsmarkt beleben, sagte Berlakovich und bezog sich damit auf die sogenannten "Green Jobs".
Der CDU-Umweltexperte Joachim Pfeiffer meinte, Kernkraft sei zwar nicht das Allheilmittel, aber durchaus ein Teil der Lösung. Erneuerbare Energie und Kernkraft seien kein Widerspruch. Bis zum Jahr 2020 gewinne man in Deutschland zwischen 30 und 35 Prozent aus erneuerbarer Energie. Deshalb solle man die Kernkraft behalten und als "Brückenenergie" verwenden sowie den erneuerbaren Energiesektor ausbauen, betonte Pfeiffer. Umfragen in Deutschland zeigten zudem, dass derzeit ein Großteil der Deutschen für die Beibehaltung von Kernenergie sei. In Deutschland gibt es derzeit 17 Atomkraftwerke.
Atomkraftwerke ziehen Terror an
"Atomkraftwerke könnten das Ziel von Terroranschlägen sein", warnte Silva Herrmann, Klima- und Energieexpertin von Global 2000. Außerdem sei Atomkraft weiterhin gefährlich, und ein Unfall lasse sich nicht ausschließen. Es bestehe immer ein Risiko, so Herrmann. Atomkraft könne auch das Klimaproblem nicht lösen, da Energiebedarf nicht nur den Strombereich betreffe, sondern beispielsweise auch Treibstoff.
Wolfgang Kromp, Leiter des Instituts für Risikoforschung an der Universität Wien, unterstrich Herrmanns Meinung und erklärte, dass Kernkraftwerke militärisch nicht schützbar seien. Bei einem schweren Unfall in einem AKW hätte man zudem tausendmal das verloren, was man vorher gewonnen hätte, sagte Kromp.
Reaktivierung von Bohunice liegt auf Eis
Der Leiter des Atominstituts der Österreichischen Universitäten, Helmut Rauch, merkte an, dass die Speicherung von Energie genauso wichtig sei wie die Produktion. Man müsse bei der Thematik auch zwischen der Energie-Abhängigkeit von Nicht-EU-Staaten und EU-Staaten unterscheiden.
Bezüglich der möglichen Wiederinbetriebnahme eines erst kürzlich stillgelegten Reaktorblocks des slowakischen Atomkraftwerkes Bohunice meinte Berlakovich, es seien bis dato noch keine technischen Vorbereitungen in der Slowakei vorgenommen worden, um den Reaktor wieder hochzufahren.
(apa/red)
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