Mittwoch, 14. Jänner 2009

NEWS-Redakteur Walter Pohl.
Arigona

Das Drama ohne Ende braucht eine Lösung. Ohne Sezierung der Familie.

Der Stoff, aus dem die Arigona-Story ist, hat Filmreife. Stünden die Rosenhügelstudios am Hollywood Boulevard, läge Frankenburg in Kalifornien und wären die Zogajs mexikanische Wirtschaftsflüchtlinge, würden Steven Spielbergs Drehbuchautoren längst ihre Computer angeworfen haben. Denn der Fall hat alle Ingredienzien, die ein komplettes Drama braucht: leidende kleine Kinder, die ihrer Mutter entrissen wurden. Einen verzweifelten Vater, den die Pflichtübernahme völlig überfordert und der in Mexiko in einer ethnischen Welt lebt, die selbiges praktisch ausschließt. Dann noch die beiden älteren Söhne, die auf eigene Faust versuchen, die Boarder-Control Richtung USA zu überwinden. Und letztlich Arigona selbst, ein patenter Teenager, der sich tapfer dem scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die gnadenlose Behördenmacht derer in Washington stellt. Die österreichische Realität jedoch sieht gravierend anders aus: Der heimische Stammtisch ist – sagen wir einmal – zu gut 80 Prozent von der nicht enden wollenden Geschichte der Zogajs genervt. Bekäme ich einen Euro für jeden getätigten Wirtshausspruch, der sinngemäß lautet: „Die Tschuschenfamilie soll sich dorthin schleichen, wo sie hergekommen ist“, hätte ich ein ordentliches Plus am Konto.
Die Gemeinschaft der politisch Korrekten wiederum steht zwar nach wie vor zu einer humanen Lösung des Falles, windet sich angesichts der illegalen Einreise der Arigona-Geschwister mittlerweile aber auch schon ein wenig im Kokon der Gutmenschlichkeit.

Letztlich ist der „Fall Arigona“ ein präzedenzielles Beispiel dafür, wie Asylpolitik nicht funktionieren sollte. Nämlich so, dass durch ein wüstes Brimborium aus Fremdenangst, Nächstenliebe und rechthaberischer Staatsräson ein sozialer „Totalschaden“ entsteht, der zwangsläufig auf dem seelischen Schrottplatz endet. Lösung gibt es nur noch eine. Nämlich Folgendes zu sagen: Wir nehmen die Causa Zogaj als einen einmaligen Ausnahmefall, erledigen ihn im Sinne der Humanität und machen klar, dass künftige Schicksale ähnlicher Art von Anfang an stringent behandelt werden. Mit konsequenter Abschiebung oder konsequenter Asylgewährung für die jeweils gesamte Familie. Denn nichts ist ein besserer Nährboden für Heldendramen oder Schicksalsopern als die Sezierung einer Großfamilie. Egal ob in Österreich oder im Kosovo.

14.1.2009 16:15