Freitag, 16. Jänner 2009

Düstere Prognosen für den Arbeitsmarkt: Arbeitslosigkeit wird heuer kräftig steigen

  • AMS erwartet zusätzlich 25.000 Menschen ohne Job
  • Jugendliche werden unter Anstieg besonders leiden

Die Arbeitslosigkeit in Österreich wird heuer um 20.000 bis 25.000 Betroffene auf rund 237.000 Jobsuchende steigen. 2010 ist mit einem weiteren Anstieg um 15.000 bis 18.000 Betroffene zu rechnen. Die Arbeitslosenrate werde sich damit nach EU-Kriterien auf 4 Prozent beziehungsweise 4,2 Prozent nach 3,8 Prozent im Vorjahr erhöhen. Dies gaben die beiden Vorstände des Arbeitsmarktservice (AMS), Herbert Buchinger und Johannes Kopf, bekannt. Im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit stehen dem AMS heuer 964 Mio. Euro zur Verfügung.

Die Beschäftigung werde heuer rascher zurückgehen als das Arbeitskräfteangebot, so Kopf. Von Arbeitslosigkeit betroffen sein werden vor allem Männer. So sei im Bau und in der Industrie mit "beachtlichem Stellenabbau" zu rechnen. Günstiger sei die Beschäftigungsentwicklung bei Frauen, in den Bereichen Dienstleistungen, Handel und Gesundheit.

Vor allem Jugendliche werden den Einbruch am Arbeitsmarkt deutlich zu spüren bekommen. Buchinger erwartet für heuer einen Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit um 12 Prozent. Erschwert werde den Jugendlichen der Einstieg in den Arbeitsmarkt, da die Unternehmen vorsichtig agieren und weniger einstellen.

Kräftig angestiegen ist heuer bereits die Kurzarbeit als eine der wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Buchinger rechnet, dass die Zahl der Kurzarbeiter im 1. Quartal auf rund 26.000 Betroffene ansteigen werde. Derzeit arbeiten knapp 15.000 Personen in 86 Unternehmen kurz. Schon Anfang Februar werde die Zahl auf knapp 23.000 Personen steigen. Die Belastungen dafür belaufen sich bereits auf 49,4 Mio. Euro. Damit wird bereits jetzt das eigentlich für Kurzarbeit vorgesehene Budget von 25 Mio. Euro deutlich überschritten. Insgesamt rechnet Buchinger mit einem Aufwand von rund 80 Mio. Euro. Die endgültigen Kosten könne man erst sagen, wenn feststeht wie viele Unternehmen weiter verlängern werden.

Ausweitung der Kurzarbeit
Derzeit verhandeln die zuständigen Ministerien und die Sozialpartner eine Ausweitung der Kurzarbeit. Geplant ist eine Ausdehnung auf 18 Monate und eine Kombination mit Weiterbildung. Derzeit kann in Österreich zweimal 3 Monate, maximal ein Jahr, kurzgearbeitet werden. Die Arbeitszeit für die Beschäftigten kann in einem Durchrechnungszeitraum von 4 Wochen um bis zu 80 Prozent reduziert werden. Das AMS zahlt den Unternehmen Kurzarbeitsbeihilfe. Diese entspricht dem fiktiven Anteil an Arbeitslosengeld für die reduzierte Arbeitszeit.

Auch bei einer Verlängerung der Kurzarbeit rechnet Kopf nicht, dass viele Unternehmen 18 Monate kurzarbeiten, weil das sehr teuer sei. Es sei eher anzunehmen, dass die Unternehmen, wenn sie sehen, dass nach 6 Monaten keine Aufträge kommen, Personal abbauen. Besonders betroffen von Kurzarbeit sind derzeit die Autozulieferer, gefolgt von der restlichen Metallindustrie, den Holzverarbeitern und Dienstleister.

2008 ist die Arbeitslosigkeit noch zurückgegangen, und zwar um 4,5 Prozent auf 212.253 im Jahresschnitt. Die Trendwende hat sich bereits im letzten Quartal abgezeichnet. Im Dezember nahm die Arbeitslosigkeit erstmals seit 2005 wieder zu. Frühindikator für eine Verschlechterung am Arbeitsmarkt ist die Entwicklung bei den Zeitarbeitern. Hier betrug der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Dezember bereits 20 Prozent.
(apa/red)

16.1.2009 16:08