Neuer Verbund-Chef im NEWS-Interview: Wolfgang Anzengruber über die Energiekrise
- Was er über Gas-Abhängigkeit und Atomstrom denkt
- Österrreich muss Wasserkraft als Energieform nutzen

Im ersten Interview spricht der neue Verbund-General Wolfgang Anzengruber über Gas-Abhängigkeit, Atomstrom und neue Wege.
NEWS: Als Sie im Sommer zum Vorstandsvorsitzenden des Verbunds bestellt wurden, prägten Wirtschaftswachstum und Hochkonjunktur die Welt. Nun, zu Ihrem Amtsantritt, herrschen Finanzkrise und Gasengpass. Bereitet Ihnen das Kopfzerbrechen?
Wolfgang Anzengruber: Die Situation auf den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft wird am Verbund nicht spurlos vorübergehen. Wenn es unseren Kunden in den Industriebetrieben schlechter geht, wirkt sich das auf unseren Energieabsatz und auch den Strompreis aus.
NEWS: Wann ist Ihrer Meinung nach Besserung in Sicht?
Anzengruber: Optimistisch geschätzt wird die Situation schon noch ein Jahr anhalten.
NEWS: Wie wirkt die Gaskrise in der Energiebranche nach?
Anzengruber: Man redet nur noch von Krisen: Wirtschaftskrise, Finanzkrise, Vertrauenskrise. Nun kam auch eine Gaskrise. Ich glaube, ein bisschen muss man aufpassen, dass man nicht zu inflationär mit dem Krisenthema wird. So etwas ist eine Störung, keine Frage. In Österreich erfolgten Speicherausbauten und die Reservehaltung genau aus dem Grund. Wir müssen die richtigen Schlüsse ziehen und Abhängigkeiten reduzieren.
NEWS: Wie abhängig ist Österreich von Erdgas?
Anzengruber: Die Abhängigkeit ist eindeutig da, und das ist weder kurz- noch mittelfristig zu substituieren. Angesprochen sind hier große Industriekonzerne, die Gas als Wärme- oder Prozessmittel brauchen. In der Wärmeversorgung heizen um die 25 Prozent der Haushalte mit Gas. Zudem gibt es gasbetriebene Kraftwerke, die wesentliche Fernheizaufgaben haben. Wir haben da nicht sehr viele Alternativen. Teilweise kann man Gas durch Öl ersetzen, aber da würde man ein wenig den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Vor einiger Zeit haben wir wegen der Immissionen genau in die andere Richtung umgestellt.
NEWS: Mit welchen Folgen für uns alle rechnen Sie?
Anzengruber: Ein Thema wird sein, die Abhängigkeit in der Gasversorgung zu reduzieren. Hier spreche ich von Projekten wie der Nabucco-Pipeline und Flüssiggasanlagen. Andererseits gewinnen die erneuerbaren Energieträger weiter an Bedeutung. Der Verbund investiert hier sehr stark (siehe Kasten S. 58). Ein wesentliches Thema dabei, das leicht übersehen wird, sind leistungsfähige Netze. Die Energie muss aus den Erzeugungsanlagen irgendwo in Österreich zum Verbraucher kommen. Somit sind Leitungen das Rückgrat.
Das gesamte Interview mit dem Verbundchef lesen Sie im neuen NEWS 03/09
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