Nächste Runde in der Gas-Farce: Russland
unterbricht Lieferungen nach Europa erneut
- Ukraine bestätigt Blockade der Pipelines nach Europa
- EU-Beobachtermission kann vorerst wenig ausrichten

·'Stopp wäre nicht im
Interesse der Ukraine'
EU-Parlamentspräsident
verurteilt die Blockade
·"Masterplan" gegen
Energiekrise in Arbeit
Alternative Energiequellen
& Effizienz haben Priorität
·Vorerst kein Reaktor-
Neustart in Bohunice
Endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus
·GRAFIK: Verbrauch von Gas in Österreich
Der Anteil von Industrie und privaten Haushalten
·GRAFIK: Die Routen der Gasversorgung
Russische Energie für den europäischen Markt
·Gasstreit zwischen Russland und Ukraine
Chronologie: Wie kam es zur Auseinandersetzung?
Auch nach dem von Russland verkündeten Wiederaufdrehen des Gashahns heute früh bleibt es fraglich, wann das Gas in Westeuropa ankommt. Der russische Staatskonzern Gazprom warf der Ukraine neuerlich vor, die Lieferungen nach Westeuropa zu blockieren und illegal Gas für eigene Zwecke abzuzweigen. Der staatliche ukrainische Energiekonzern Naftogaz hat inzwischen bestätigt, die Gaslieferungen nach Westeuropa zu blockieren, weil die Bedingungen der russischen Gazprom für den Gastransit unannehmbar seien.
Die EU-Beobachter berichteten, dass wenig oder kein Gas von Russland und der Ukraine nach Westeuropa ströme. Es seien nur "sehr begrenzte" Mengen an Gas in Richtung Ukraine geleitet worden, und dies auch nur durch einen einzigen Einspeispunkt aus Russland, erklärte EU-Sprecher Ferran Tarradellas Expuny. Die EU-Beobachter hätten immer noch keinen vollständigen und freien Zugang zu den Verteilzentren in Moskau und Kiew, um die Menge des gelieferten Gases zu überprüfen.
Russland hatte nach eigenen Angaben um 08.00 Uhr (MEZ) nach einer Woche Unterbrechung wieder damit begonnen, Gas über die Ukraine in Richtung EU zu pumpen. Nach der Wiederaufnahme der Lieferungen können nach Einschätzung der EU-Kommission wegen des langen Transportweges rund 24 Stunden vergehen, bis tatsächlich Gas in der EU eintrifft. Nach Informationen aus Moskau und Kiew könnte das russische Gas binnen zehn Stunden die ukrainische Ostgrenze und nach weiteren zwölf Stunden die EU erreichen, hatte die EU am Montag mitgeteilt.
Das Abdrehen des Gashahns hatte sich auf über 15 Länder ausgewirkt. Am stärksten betroffen waren Bosnien, Bulgarien, Tschechien, Ungarn, Serbien und die Slowakei. Die Ukraine bleibt wegen des Streits mit Russland über die Preise für das laufende Jahr und über die Gebühren für den Gastransport weiter von den russischen Lieferungen ausgenommen.
Beobachtermission läuft
Der russische Staatskonzern Gazprom hatte die Wiederaufnahme der Lieferungen vom Einsatz einer Beobachtermission zur Überwachung der Gaslieferungen durch die Ukraine abhängig gemacht. Über deren Stationierung wurde nach tagelangem Streit Einvernehmen erzielt.
Nach dem Abkommen sollen die Beobachter an fünf Messstationen in der Ukraine und an fünf Messstationen in Russland eingesetzt werden. Außerdem sollen sie die unterirdischen Gasspeicher in der Ukraine und die Transitstellen zu den westlichen Nachbarstaaten des Landes überwachen.
Gazprom hatte die Lieferungen an die EU über ukrainische Leitungen am vergangenen Dienstag zunächst eingeschränkt und dann ganz gestoppt. Der Konzern warf der Ukraine vor, die Pipelines angezapft zu haben. Die Ukraine wird von Gazprom wegen Vertragsstreitigkeiten schon seit dem Neujahrstag nicht mehr beliefert.
(apa/red)
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