Montag, 12. Jänner 2009

Energie-Autarkie findet keine Zustimmung:
Energieindustrie weist Grünen-Antrag zurück

  • OMV-Chef Ruttenstorfer: 'Autarkie gibt es nicht mehr'
  • Österreich verfügt über relativ große Gasreserven

Wenig Unterstützung fand der Wunsch der Grünen-Chefin Eva Glawischnig, Energie-Autarkie für Österreich anzustreben in der ORF-Diskussion "Im Zentrum". Davor würde er "warnen", sagte dazu Voest-Chef Wolfgang Eder, Österreich sei im Energiebereich vernetzt, das werde sich noch verstärken. Auch OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer meinte, "Energieautarkie gibt es nicht mehr", das könne in der EU kein Ziel sein.

"Mittelfristig" könne Österreich von Gas- und Öl, die zwei Drittel der heimischen Energieversorgung stellen, nicht wegkommen, betonte auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Für den Energieexperten der Universität Wien, Franz Wirl, ist der Gedanke an Autarkie "absurd". Da half Glawischnig auch nicht der Hinweis, dass Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich erst am Freitag Energieautarkie für Österreich gefordert hat. Das sei wohl "sehr ambitioniert" gewesen, bemerkte Mitterlehner.

Nach vorherrschender Meinung in der Diskussion können alternative Energieträger vorerst die Versorgung des Landes nicht sichern. Selbst in Spanien, wo "zig Quadratkilometer mit Solarpanelen zugepflastert" seien, werden so nur 0,05 Prozent des Energiebedarfs gedeckt, sagte Eder. Aber der Ausbau der Wasserkraft in Österreich ist nun wieder ein heißes Thema, auch wenn das nicht gebaute Kraftwerk Hainburg weiter seine Schatten wirft: Den Ausbau der Donau zu erwähnen ist tabu. Aber es soll Kraftwerke an Salzach, Mur und Inn sowie den Ausbau der Speicherkraftwerke in Kaprun geben, sagte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. Diese Projekte würden eher an Problemen des Föderalismus denn an ökologischen Bedenken scheitern.

Österreich für die Krise gerüstet
Der aktuelle Stopp von Gaslieferungen, Anlass für die heutige Diskussion über Österreichs Energieversorgung, dürfte hingegen noch eine Weile dauern. Obwohl aber der "größte anzunehmende Unfall" eingetreten sei, "beherrsche" man die Situation, sagte Ruttenstorfer. Österreich habe in Relation zum Verbrauch die größten Gasspeicher Europas. Er sei zuversichtlich, dass Russland und die Ukraine diesmal ihren seit 20 Jahren schwelenden Streit "ein für alle Mal aus der Welt schaffen" werden - denn nur dadurch wäre die langfristig stabile Versorgung Europas mit Gas gesichert. Dennoch bemühe sich sein Unternehmen darum, Gas von verschiedenen Lieferanten zu beziehen. Langfristig werde die OMV aber sicher mit anderen Energieträgern als Gas und Öl ihr Geld verdienen, wobei die Entwicklung in Richtung Strom und Solarenergie gehe.
(apa/red)

12.1.2009 08:19