Sonntag, 18. Jänner 2009

ÖSV-Damen müssen Niederlage verdauen:
Abfahrtsergebnis schwächstes seit 5 Jahren

  • Renate Götschl konnte die Erwartungen nicht erfüllen
  • Alpinchef Hans Pum blickt vereits wieder nach vorne

Vom historischen Debakel der ÖSV-Herren in Wengen ist man zwar weit entfernt gewesen, aber für Österreichs nun 22 Monate in der Abfahrt sieglosen Damen war es das schlechteste Ergebnis seit über fünf Jahren. Andrea Fischbacher Sechste, Elisabeth Görgl Achte, Renate Götschl mit 1,45 Sek. Rückstand nur 14. Und das, obwohl sich Österreichs Speed-Queen nach der langen Pause so große Hoffnungen auf wenigstens einen Podestplatz gemacht hatte.

Götschl war am 14. März 2007 (Finale Lenzerheide) Österreichs letzte Abfahrtssiegerin gewesen. Die nunmehrige Fassungslosigkeit war der 33-jährigen Siegerin von 24 Weltcup-Abfahrten am Sonntag im Zielraum von Zauchensee anzusehen. Intensiv hatte die Steireirn zuletzt an Form und am Material gefeilt. "Das war aber eher noch ein Schritt zurück", nahm Götschl die bittere Pille mit versteinertem Gesicht hin. "Ich weiß nicht mehr, wonach ich noch suchen soll", gab sie sich im ersten Moment ratlos. "Ich habe keine Ahnung, vielleicht bin ich mir selbst im Weg."

Es war offensichtlich, dass bei Götschl in Zauchensee nichts im Fluss war, obwohl das eine ihrer Lieblingsabfahrten ist. Ein Problem, dass sich bei der Siegerin von 46 Weltcuprennen wie ein roter Faden durchzieht, seit das Regulativ punkto Ski eine tiefere Standhöhe vorschreibt. "Es ist ein einziges Würgen, da ist kein Fluss drin", meinte Götschl kopfschüttelnd.

Pum findest tröstende Worte
Selbst der Blick voraus auf ihr "Wohnzimmer" Cortina, wo sie als zehnfache Siegerin Weltrekord-Halterin ist, konnte im ersten Moment nicht trösten. "Hoffentlich geht es dort etwas runder von der Hand", hoffte nicht nur Götschl.

ÖSV-Alpinchef Hans Pum versuchte schon mit dem Blick auf die ähnlich anspruchsvolle WM-Abfahrt in Frankreich zu trösten. "In den technisch schwierigen Passagen war Renate ohnehin gut dabei", meinte Pum. "Es ist halt schwierig, wenn es im Training gut läuft und man es dann bei einem Heimrennen förmlich erzwingen will", hatte er Verständnis für die Verzweiflung Götschls.

Dass es ohne Götschl und Maria Holaus bei den Damen ähnlich trist in der Abfahrt aussieht wie bei den Herren, wenn Michael Walchhofer und Klaus Kröll auslassen, glaubt Pum aber nicht. Dabei bedurfte es nicht einmal des Hinweises auf zwei Top-Ten-Plätze durch Fischbacher und Görgl. "Nehmt bei den Amerikanern, Schweden und Deutschen nur jeweils die Beste weg, dann hat man einen wirklichen Vergleich", so Pum.

Wochenende trotzdem großer Erfolg
Für den ÖSV war das Zauchensee-Wochenende auch ohne Heimsieg ein Riesenerfolg. Die Stimmung rund um die ans Talende gebaute und riesige Weltcup-Arena, in der man quasi von der Tiefgarage über eine Rolltreppe direkt auf die Piste fahren kann, war beeindruckend. 12.000 Fans kamen wie immer den Läuferinnen ganz nahe, dementsprechend groß war der Trubel.

Begeistert war auch Co-Abfahrtssiegerin Dominique Gisin. "Rennen in Österreich sind immer super, weil die Zuschauer unglaublich sind. Schon im Training gab es volle Tribünen, es macht richtig Spaß, hier zu fahren", meinte die Schweizerin. Und die Strecke selbst sei ohnehin einzigartig. "Man könnte alle Tore wegnehmen und würde nicht anders runterfahren. Eine richtige Rennstrecke!"
(apa/red)

18.1.2009 14:59