Montag, 19. Jänner 2009

Die Waffen in Gaza sind endlich verstummt:
Israelische Soldaten verlassen Kriegsgebiet

  • Olmert droht aber weitere Militärschläge in Gaza an
  • EU wird Beobachter für Friedensmission entsenden
    Israel lässt 200 Lastwagen mit Hilfsgütern passieren

Nach 22 Tagen der militärischen Konfrontation haben Israel und die Hamas in der Nacht auf heute die getrennt voneinander ausgerufene Waffenruhe offenbar eingehalten. Die israelische Armee setzte ihren Abzug aus dem Gazastreifen fort. Der Abzug gehe schrittweise weiter, sagte ein israelischer Militärvertreter. Die Soldaten seien dabei aber bereit, auf Angriffe radikaler Palästinenser zu reagieren.

Die israelischen Panzer wurden nach Augenzeugenberichten von mehreren Stellungen abgezogen, unter anderem bei Jabalya und Beit Lahiya. Auch die wichtigste Stellung bei Nezarim wurde geräumt, so dass erstmals seit dem Beginn des Krieges wieder eine Verbindung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Teil des Gazastreifens bestand.

Der israelische Onlinedienst "ynet" zitierte hochangesiedelte israelische Quellen mit der Aussage, dass die Truppen bis zur Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Obama am Dienstag zurückgezogen werden sollten, falls nichts Unvorhersehbares geschehe. Israel macht den Abzug davon abhängig, dass keine neuen Raketen auf den Süden des Landes abgeschossen werden und die Waffenruhe hält.

"Damit aber gesichert ist, dass der Waffenstillstand hält, muss Israel die Hamas davon abhalten, sich neu zu bewaffnen", sagte der israelische Ministerpräsident Olmert bei einem Treffen mit europäischen Staats- und Regierungschefs. Olmert zufolge sicherten ihm die europäischen Gesprächspartner zu, sich für die Unterbindung des Waffenschmuggels in den Gazastreifen einsetzen zu wollen. Er drohte aber mit weiteren Militärschlägen im Gazastreifen. "Wenn der Beschuss weitergeht, ist die Armee darauf vorbereitet", sagte er in Jerusalem.

Die Europäische Union wird sich nach der Waffenruhe maßgeblich an einer Friedensmission beteiligen, wie Außenkommissarin Ferrero-Waldner im Ö1-Morgenjournal betonte. "Die EU wird sicher mithelfen" und Beobachter entsenden, "damit die Grenzen wieder geöffnet werden können", sagte die Kommissarin.

Hilfsgüter nach Gaza
Israel genehmigte Hilfstransporte in das Palästinensergebiet. Ein Konvoi mit 120 Lastwagen solle über den Grenzübergang Kerem Shalom Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen, teilte ein israelischer Armeesprecher mit. Ein weiterer Konvoi mit 60 bis 70 Lkw solle den Grenzübergang Karni passieren.

Zudem war die Lieferung von 400.000 Liter Heizöl vorgesehen. Seit Beginn der israelischen Offensive am 27. Dezember wurden nach Angaben der Armee 40.000 Tonnen Hilfsgüter wie Lebensmittel und Medikamente in den Gazastreifen gebracht.

(apa/red)

19.1.2009 11:38