Tausende sind nach Angriffen obdachlos:
Jedes zerstörte Haus sorft für mehr Elend
- Rund 40.000 Palästinenser leben in Notunterkünften
- Auch UN-Schulen mit Flüchtlingen wurden getroffen

Wie viele Menschen im Gazastreifen nach der dreiwöchigen israelischen Militäroffensive keine Unterkunft mehr haben, ist noch nicht absehbar. Nach Angaben des UNO-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) verbrachten bis zu vierzigtausend Palästinenser die vergangenen Nächte in Notunterkünften. Mit jedem weiteren zerstörten Haus wächst die Not und die Zahl der Obdachlosen.
UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hat den neuerlichen Angriff der israelischen Armee auf eine Schule der Vereinten Nationen als verabscheuungswürdig und "nicht hinnehmbar" verurteilt. Israels Regierung habe ihm erst vor zwei Tagen zugesichert, dass Einrichtungen der Vereinten Nationen geschützt würden, nun sei zum dritten Mal seit dem Beginn der Militäroperationen am 27. Dezember eine UNO-Schule bombardiert worden.
Viele Menschen nahe der Grenze zu Ägypten verlassen ihre Wohnungen aus Angst vor den Bomben, bei anderen wurden die Häuser bereits getroffen und liegen in Trümmern. Wenn die israelischen Flugzeuge Flugblätter abwerfen, die vor einer unmittelbar bevorstehenden Bombardierung warnen, raffen die Einwohner in Panik einige Decken und ein paar Lebensmittel zusammen. Wer nicht bei Verwandten Unterschlupf finden kann oder in einer Schule der Vereinten Nationen unterkommt, muss unter freiem Himmel campieren.
Nachts fallen Temperaturen unter zehn Grad
Jawab Harb aus Rafah ist verzweifelt: Ganz in der Nähe schlagen Bomben der israelischen Luftwaffe ein, neben ihm heulen Kinder bei jeder Detonation auf. "Unentwegt bombardiert die israelische Luftwaffe an der Grenze zu Ägypten", sagt Harb. "Wir wohnen einen halben Kilometer von der Grenze entfernt, damit leben wir an der Front." Mit der Zahl der Luftangriffe im Grenzgebiet zwischen dem Gazastreifen und Ägypten wächst hier auch die Schar der Obdachlosen. Harb ist einer von ihnen. Bis zu 400 Menschen harren mit ihm im Freien aus. Die zu Notunterkünften umfunktionierten Schulen des UNO-Hilfswerks UNRWA seien mit bis zu 50 Menschen in jedem Klassenzimmer überbelegt, sagt Harb. "Wir müssen diese Nacht draußen schlafen. Es ist schon sehr kalt und es wird noch kälter." Nachts fallen die Temperaturen derzeit unter zehn Grad.
Im Kampf gegen die Hamas fliegt die israelische Luftwaffe seit 27. Dezember tagtäglich Angriffe auf das dichtbewohnte Palästinensergebiet. Besonders der an Ägypten grenzende Süden geriet ins Visier. Das Ziel ist klar: Die israelische Armee will die zahlreichen Schmuggeltunnels zwischen Ägypten und dem Gazastreifen zerstören. Durch die unterirdischen Versorgungsgänge gelang es der Hamas, die israelische Blockade zu umgehen und immer wieder Waffen in das umzingelte Gebiet zu schaffen. Doch die Bomben treffen nicht nur Tunnels. Der 28-jährige Mohammed Ismael floh mit seiner Familie. "Durch die Luftangriffe entlang der Grenze wurde mein Haus teilweise zerstört", berichtet er. Noch schlimmer traf es die zu Verwandten geflohene Familie von Ali Abdelsataf al-Hams: Als er vor wenigen Tagen zu seinem Haus zurückkehrte, fand der 22-Jährige nur noch Trümmer vor.
(apa/red)
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