Donnerstag, 15. Jänner 2009

Zehntausende sind auf der Flucht: Panzer-
Offensive löst Panik in der Bevölkerung aus

  • Israels Armee verschärft seine Angriffe in Gaza
  • Plus: Hamas-Innenminister Saeed Seyyam getötet

Ungeachtet intensiver Bemühungen um eine Feuerpause hat Israels Armee die Angriffe in der Stadt Gaza dramatisch verschärft. Etwa 40.000 palästinensische Einwohner sind auf der Flucht und versuchten, etwa in UNO-Schulen und Gebäuden von Hilfsorganisationen Schutz zu finden. Während UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier versuchten, auf die israelische Führung mäßigend einzuwirken, beschoss das israelische Militär in Gaza das UNO-Gelände, ein Krankenhaus sowie ein Haus mit Büros internationaler Medien. Bodentruppen rückten am 20. Tag der Offensive massiv in Richtung Stadtzentrum vor.

Die israelischen Streitkräfte haben einen ranghohen Hamas-Führer im Gazastreifen getötet. Saeed Seyyam sei in seinem Versteck im Haus seines Bruders in der Stadt Gaza getötet worden, erklärten Vertreter der Streitkräfte und des Geheimdienstes. Die Tötung von Seyyam wurde auch vom Hamas-Fernsehsender Al-Quds-TV bestätigt.

Seyyam gilt als einer der fünf ranghöchsten Hamas-Führer in dem Gebiet und fungierte in der Hamas-Regierung als Innenminister. Von palästinensischen Ärzten wurde mitgeteilt, dass auch Seyyams Bruder Iyad Seyyam bei dem Flugzeugangriff auf ein Haus im Norden von Gaza ums Leben kam.

panik in Bevölkerung
Das israelische Vorrücken löste unterdessen in der Bevölkerung Panik aus. Panzer standen nach Augenzeugenberichten nur noch eineinhalb Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Im ganzen südlichen Stadtgebiet brannten zahllose Wohnungen und Autos. Die Bevölkerung in den Hochhäusern im Stadtteil Tal al-Hawa zeigte sich voller Angst und Verzweiflung. Menschen riefen von Balkonen um internationale Hilfe. Ambulanzen und Sanitäter konnten das Gebiet wegen der schweren Kämpfe nicht erreichen. Im Al-Kuds-Krankenhaus in Gaza, das ebenfalls beschossen wurde, brach ein Brand aus. Militante Palästinenser und israelische Soldaten lieferten sich weiter schwere Gefechte.

Die internationalen Hilfsorganisationen stellten inzwischen alle Tätigkeiten in Gaza ein. Die Zahl der Todesopfer seit Beginn der israelischen Offensive vor fast drei Wochen beträgt nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza vom Donnerstag 1063. Mehr als 5000 seien bei den Angriffen verletzt worden. Während die israelischen Panzer weiter vorrückten, feuerten Palästinenser am Donnerstag mehr als 20 Raketen auf israelisches Gebiet ab.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon erklärte in Tel Aviv, alle Bestandteile für eine Waffenruhe seien vorhanden und diese werde "in absehbarer Zeit" erwartet. Steinmeier sagte, er habe "den Eindruck, dass man auch in Israel weiß, dass wir zu einem Ende der Kampfhandlungen kommen müssen." Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in Berlin, wegen der humanitären Lage müsse Druck gemacht werden.


(apa/red)

15.1.2009 18:41