Politische Gewinne in Rekordzeit verspielt:
Viele Höhen und Tiefen für Andrea Ypsilanti
- Im Jänner fuhr sie noch stattliche SPD-Gewinne ein
- Nach Linkskurs und gebrochenes Versprechen im Out

In nicht ganz einem Jahr hat Andrea Ypsilanti alle Höhen und Tiefen eines Politikerlebens kennengelernt. In die Landtagswahl am 27. Jänner 2008 ging sie mit einem deutlichen Sympathie-Vorsprung vor dem CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch. Sie errang für die hessische SPD stattliche Zugewinne und führte sie wieder auf Augenhöhe mit der CDU.
Doch mit ihrem Linkskurs und dem Bruch eines Wahlversprechens verspielte sie ihr Kapital in Rekordzeit, trug unfreiwillig zum Sturz des SPD-Bundesvorsitzenden Kurt Beck bei - und scheiterte mit ihren rot-rot-grünen Plänen schließlich doch an vier Abgeordneten der eigenen Partei.
Nun übernahm die 51-jährige die Verantwortung für das Abschneiden der SPD in der Neuwahl und trat als Partei- und Fraktionschefin zurück. Mit dem neuen Spitzenmann Thorsten Schäfer-Gümbel teilt sie die Herkunft aus einfachen Verhältnissen. Ypsilanti stammt aus einer Rüsselsheimer Arbeiterfamilie. Ein Lehrer musste die Eltern überreden, die Tochter aufs Gymnasium zu schicken.
Nach dem Abitur (Matura) arbeitete sie als Sekretärin und Stewardess, studierte dann Sprachen und später Soziologie. Ihren Nachnamen verdankt sie der geschiedenen Ehe mit einem Griechen. 1992 holte sie der damalige Ministerpräsident Hans Eichel in die Wiesbadener Staatskanzlei.
SPD-Landesvorsitzende wurde Ypsilanti 2003, stieß aber mit ihrer Kritik an den Sozialreformen der damaligen rot-grünen Bundesregierung im eigenen Landesverband lange auf Vorbehalte. Beim Griff nach der Spitzenkandidatur musste sie sich gegen ihren Konkurrenten Jürgen Walter durchsetzen. Danach aber erzielte sie auf Parteitagen stets überwältigende Zustimmung - auch für das Wagnis einer von der Linken geduldeten rot-grüne Minderheitsregierung.
Anhänger bescheinigen Ypsilanti Mut, Gegner schildern sie als unkommunikativ und fixiert auf ihr linkes Umfeld. Privat lebt sie mit ihrem Lebensgefährten, dem gemeinsamen Sohn und einem befreundeten Paar mit zwei Kindern in einem Frankfurter Reihenhaus. (apa/red)
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