'Obama muss sofort handeln': Hugo Portisch
in NEWS über den neuen US-Präsidenten
- Grandseigneur der Außenpolitik im Talk über Barack
- Kann man Obama mit John F. Kennedy vergleichen?

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Condoleeza Rice zieht sich aus der Politik zurück
Er hat als Journalist bereits die Ära John F. Kennedy erlebt: Der Grandseigneur der Außenpolitik, Hugo Portisch, analysiert im NEWS-Gespräch anlässlich der anstehenden Inauguration von Barack Obama die Brennpunkte der ersten hundert Tage der historischen Präsidentschaft.
NEWS: Gehen Sie davon aus, dass der Amtsantritt von Barack Obama als Präsident der USA schon kurzfristig greifbare Veränderungen bringen wird?
Hugo Portisch: In zwei Bereichen muss er sofort handeln: Die Rezession darf nicht in eine Depression abrutschen - Präsident Roosevelt benötigte von 1933 bis 1941 zwei volle Amtsperioden, um sein Land aus der Depression herauszuführen. Dazu muss Obama jetzt alles daransetzen, die Kriege im Nahen Osten zu beenden. Mit fast einer Billion Dollar wird er versuchen, die Rezession zu bekämpfen, mit sofortigen Initiativen wird er danach trachten, Israel und die Palästinenser an den Verhandlungstisch zu bringen, wird den Abzug aus dem Irak anpeilen und einen Aktionsplan für Afghanistan vorlegen.
NEWS: Die Erwartungen an Obama sind sehr groß. Wird Amerika jetzt Geduld zeigen, oder könnte die Euphorie, die seine Wahl auslöste, bald in eine Enttäuschung umschlagen?
Portisch: Die sich verschlechternde Wirtschafts- und Finanzkrise, die eskalierenden Nahostkonflikte haben die Erwartungen schon gedämpft. Obama kann keine Wunder wirken. Er kann nun aber neue Wege einschlagen, im Nahen Osten die Wege der Diplomatie, des Gespräches und der Verhandlungen, auch mit dem Iran. Begibt er sich rasch auf diese Wege, wird ihm das schon als Wandel, als Erfolg angerechnet werden.
NEWS: Sie haben die Ära John F. Kennedy bereits als Journalist verfolgt. Kann man die beiden Männer, so wie es viele tun, miteinander vergleichen?
Portisch: Was ihren Charme, ihr Charisma betrifft, ihre Fähigkeit, Menschen zu begeistern und mit auf den Weg zu nehmen, sind Obama und Kennedy durchaus vergleichbar. Aber Obama steht vor viel schwierigeren Problemen. Kennedys Aufgabe war es, zu verhindern, dass der Kalte Krieg zu einem heißen wird, er hatte es "nur" mit dem Krisenmanagement gegenüber der Sowjetunion zu tun. Obama hat die schwerste Wirtschaftskrise seit Roosevelt zu bewältigen, drei Kriege im Nahen Osten zu beenden, neue Wege der Verständigung mit Russland zu finden, also auch die Probleme der Raketenstationierungen in Europa, die Konflikte im Kaukasus, eine Wiederaufnahme der Atomabrüstung zu bewerkstelligen. Dazu muss er ein neues Verhältnis der USA zu Europa herstellen und versuchen, Terror von den USA fernzuhalten.
NEWS: Wie wird sich die europäische Außenpolitik verändern? Es ist ja zu erwarten, dass Obama seine Bündnispartner etwa beim Krieg in Afghanistan stärker in die Pflicht nehmen wird.
Portisch: Die europäischen Verbündeten sind sich mit den USA darüber einig, dass der Krieg in Afghanistan zu einem "positiven" Ende gebracht werden muss. Wie, darüber gehen die Meinungen auseinander. Ein Sieg über die Taliban wird kaum zu erreichen sein, vielleicht aber eine Pattstellung, die es ermöglicht, die Kämpfe zu beenden und eine Koalition zustande zu bringen, die in Afghanistan regierungsfähig ist. Das setzt voraus, dass Obama seine Verbündeten von einem erreichbaren Ziel zu überzeugen hat, ehe er Hilfeleistungen fordert. Mit Krieg allein sind die Probleme Afghanistans sicher nicht zu lösen.
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