Daniel Kehlmann ist endlich angekommen: Interview über Ruhm, Angst und noch mehr
- NEWS: "Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten"
- Gefährdet Kommunikationstechnologie Identitäten?

Solchen Aufruhr im literarischen Genre gab es zuletzt um Harry Potter. Seit Monaten erwartet man das Erscheinen des neuen Romans von Daniel Kehlmann, 34. "Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten" wurde nur einer Anzahl handverlesener Medien auch NEWS vorab zugemittelt. Die mussten sich unter Androhung von 250.000 Euro Buße zuvor verpflichten, vor dem Erscheinungstermin nichts über das Gelesene zu verbreiten. Noch viel rarer sind die Interviews, die der geniale Sohn des österreichischen Regisseurs Michael Kehlmann gibt. Lesen Sie das Interview über Erfolg und die Angst des Schriftstellers.
NEWS: Im Titel Ihres neuen Buches gehen Sie offensiv ironisch mit dem Thema "Berühmtsein" um. Hat der Erfolg Ihr Leben verändert?
Kehlmann: Ja, doch nicht nur zum Schlechten.
NEWS: Ist es für Sie eine Last, dass Sie so bekannt sind? Wären Sie auch manchmal gern ein Anderer?
Kehlmann: Natürlich, aber immer wieder finde ich es auch ganz angenehm, ich zu sein. Das wechselt fast täglich.
Alter Ego
NEWS: Eine Ihrer Figuren ist der Schriftsteller Leo Richter. Ist er als eine Art Alter Ego von Ihnen zu sehen?
Kehlmann: Eine Art Alter Alter Ego, genau. Ein Pseudo-Stellvertreter. In Wirklichkeit überwiegen die Unterschiede zwischen uns. Vor allem ist Leo ein autobiografisch arbeitender Schriftsteller, ich bin das Gegenteil davon.
NEWS: In Stimmen erzählen Sie von einem Techniker, dessen Leben durch ein falsch geleitetes Mobiltelefon aus den Fugen gerät. Ist die heutige Kommunikationstechnologie durch das ständige Vernetztsein über iPhone, Handy, E-Mail ein Vorteil, oder gefährdet das die Identität der Menschen?
Kehlmann: Beides zugleich. Dass wir mit Menschen auf der anderen Seite der Welt kommunizieren können, ständig und zu jeder Zeit, ist ein Wunder. Aber die Maschen des Netzes werden immer enger, wir müssen ständig erreichbar sein und üben selbst Druck auf andere aus, für uns erreichbar zu bleiben. Das Wochenende ist jetzt schon so gut wie abgeschafft.
NEWS: Sehen Sie die Gefahr, dass wir durch die Technologie den Bezug zur Realität verlieren?
Kehlmann: Das ist schon längst passiert. Realität ist nur noch eine vage Erinnerung.
Vorbilder
NEWS: Haben Sie eigentlich Vorbilder oder Menschen, die für Ihr Leben wichtig sind oder waren?
Kehlmann: Zu viele, um sie aufzuzählen. Einige dieser Menschen kannte ich persönlich, andere haben mir aus der Ferne geholfen, durch ihre Bücher.
NEWS: Wie wichtig oder prägend war Ihr Vater, der Regisseur Michael Kehlmann, für Sie?
Kehlmann: Ziemlich prägend. Aber für wen ist der eigene Vater das nicht? Durchaus prägend war übrigens auch meine Mutter.
NEWS: Stimmt es Sie manchmal nachdenklich, dass Sie in so jungen Jahren schon so viel erreicht haben?
Kehlmann: Für mich zählt, was ich künstlerisch erreicht habe. In der Hinsicht hoffe ich noch einiges vor mir zu haben.
Lesen Sie das ganze Interview in NEWS 03/09!

