"Haben ein Qualitätsproblem": Unterrichts-
Ministerin schmiedet neue Zentralmatura
- Schmied: Standardisierte Reifeprüfung kommt 2014
- Schummeln schwergemacht: Einheitliche Termine

·Die drei Säulen der neuen Reifeprüfung
Vorwissenschaftliche Arbeit kommt als Pflicht
·UMFRAGE: Reform der Matura gute Idee?
Wird sich dadurch das Bildungsniveau erhöhen?
Unterrichtsministerin Claudia Schmied hat den Fahrplan für die geplante "standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung" präsentiert. "Im Juni 2014 wird es in den allgemeinbildenden höheren Schulen die erste standardisierte Reifeprüfung geben", so Schmied. Derzeit arbeite das Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) die Qualitätsstandards aus, damit die österreichische Matura künftig aussagekräftiger und auch international anerkannt wird.
"Wir haben an den österreichischen Schulen ein Qualitätsproblem, deshalb müssen wir es schaffen, vom Neusiedlersee bis zum Bodensee einen einheitlich guten Unterricht anzubieten. Die Eltern müssen die Sicherheit haben, dass eine öffentliche Schule für hohe Qualität steht", betonte Schmied. Diese Qualität könne sie österreichweit derzeit nicht garantieren.
In Zukunft sollen die Lehrer wissen, welche Kompetenzstandards in der achten Schulstufe und bei der Matura erforderlich sind. Die neue Reifeprüfung soll in der AHS starten und dann auf weitere Schularten ausgeweitet werden. Im Frühling soll die gesetzliche Regelung vom Ministerrat beschlossen und im Laufe dieses Schuljahres die Verordnung zur Reifeprüfung ausgearbeitet und mit den Schulpartnern diskutiert werden.
Neukonzeption der Lehrerausbildung
In wenigen Wochen wird zudem der Startschuss für die Neukonzeption der Lehrerausbildung fallen. BIFIE-Direktor Josef Lucyshyn erwartet sich durch die "klaren und transparenten Zielvorgaben" eine hohe Qualitätssteigerung und mehr Fairness an den Schulen. Wie bei allen "Innovationsprojekten" gebe es aber Sorgen und Ängste bei Lehrern, die über den Ablauf noch nicht Bescheid wissen. "Ich erlebe das als hinhaltenden Widerstand von Funktionärsschichten, die das Konzept noch nicht durchschauen." Deshalb sei eine breite Information für alle Betroffenen entscheidend und Workshops mit den Lehrern geplant, ergänzte die Unterrichtsministerin.
Bis zum Schuljahr 2013/14 werde die neue Reifeprüfung in Zusammenarbeit mit Praktikern und den Pilotschulen - 60 haben an ersten Versuchen teilgenommen - für alle relevanten Klausurgegenstände (Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen, Darstellenende Geometrie, Physik, Biologie) erprobt, um präzise Aussagen über das Anspruchsniveau zu erhalten. Laut Lucyshyn werden bereits heuer fast alle Schulen in Englisch antreten. Das Konzept werde an 80 Pilotschulen getestet, 200 Schulen hätten bereits um Prüfungsaufgaben angesucht.
Die Reifeprüfung soll sich aus drei voneinander unabhängigen Prüfungsteilen zusammensetzen: Die vorwissenschaftliche Arbeit soll die Studierfähigkeit der Absolventen, die Präsentationskompetenz und Diskursfähigkeit unter Beweis stellen. Die Klausurprüfung stellt in ihrer standardisierten Form das zentrale Element der Reifeprüfung dar und wird an österreichweit einheitlichen Prüfungsterminen abgelegt. Dritte Säule ist die mündliche Prüfung: Sie soll schulspezifische Elemente bewahren, die Prüfungsgebiete sind nach Maßgabe schulautonomer Lehrplanbestimmungen geringfügig variabel.
Kritik von Gewerkschaft
"Enttäuscht" reagierte die AHS-Gewerkschaftsvorsitzende Eva Scholik auf die heute präsentierten Pläne für die "standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung", die 2013/14 die Matura in ihrer jetzigen Form ersetzen soll. Sie kritisierte, dass bei der schriftlichen Prüfung nicht nur - wie von der Gewerkschaft gefordert - ein Teil der Fragen, sondern alle zentral vorgegebenen werden sollen. Ohne Berücksichtigung der verschiedenen AHS-Typen könne man aber nur "Minimalwissen" abprüfen. Eine solche Matura sei "zu wenig anspruchsvoll", so Scholik.
Die AHS-Gewerkschaft sei nicht prinzipiell gegen eine zentrale Aufgabenstellung, betonte Scholik. Allerdings müssten die unterschiedlichen Schwerpunkte (Sprachen, Naturwissenschaften etc.) bei der Klausur bedacht werden. Die Lehrpläne seien nämlich so vage, dass nur die Grundkenntnisse überall gleich seien. "Für deren Abfrage begrüßen wir Standards." Die Zentralmatura müsse allerdings ihrer Meinung nach für alle Schulformen, die mit der Reifeprüfung abschließen, gelten.
(apa/red)
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