Mittwoch, 7. Jänner 2009

NEWS-Redakteur Walter Pohl.
Pohl-Position: Raucherstreit

  • Das Gesetz ist Makulatur:
  • Alles bleibt besser, bis die EU kommt...

Es gibt eine Geschichte zum Streit um das eben in Kraft getretene Rauchverbot, die so österreichisch ist wie das Gesetz selbst: nämlich augenzwinkernd, schelmisch, irgendwie schlampig, nestroyanisch halt. Und die geht so: Niki Hrtica, der Wirt des Innenstadt-Cafés „Alt Wien“, ein in Exjugoslawien gebürtiger, aber über Jahrzehnte hierorts lebender Kroate, hat seine eigene Interpretation zum Schutz von Nikotinabstinenten in seinem Lokal: „Nichtrauchen? Bei mir kein Problem. Jeder, der zu mir kommt und nicht rauchen will, kann auch nicht rauchen …“

Das ist altösterreichischer Humor vom Feinsten, und sein Zynismus trifft den gereizten Nerv der an der Diskussion beteiligten Parteien punktgenau. Auf beiden Seiten: Da genervte Raucher, die sich als Hüter des zivilen Ungehorsams fühlen, wenn sie weiterhin auf ihr vermeintliches Recht pochen. Dort die selbst ernannten Rauch-Sheriffs, die in sattsam bekannter Blockwartmentalität das Recht in die eigene Hand nehmen wollen. Und dazwischen ziemlich verunsicherte Lokalbetreiber, die nicht wissen, was sie tun sollen: einfach abwarten, Trennwände einziehen, gleich alle Aschenbecher verbannen oder die Hütte verkleinern, sodass sie nicht unter die Gesetzesregelung fallen? Oder aber am besten gar nichts und vorläufig einmal stillhalten? Nach dem Motto: Nur kane Wellen …

Denn in Wirklichkeit ist das Nichtrauchergesetz eine für Österreich nationalsymbolische Schmähregelung: ein legislativer Pfusch, der es allen Beteiligten erlaubt, noch ein bisschen weiter so zu tun, als wäre im Prinzip gar nichts passiert. „Irgendwer wird’s schon richten“ ist der allgemeine Tenor, „und bis dahin schau’ ma halt, wie es weitergeht.“ Die allmächtige EU wird schon noch daherkommen und uns per Gesetz aus Brüssel das Rauchen ohnehin total verbieten. Bis dahin heißt es: „Du, glückliches Österreich, rauche weiter.“ Wem das unsympathisch sein mag, der warte noch bis Mitte 2010, wenn die Union sprechen wird. Wem nicht, der nütze das kurze legislative Interregnum, um sich noch ein wenig zu selchen. Aber eine „Antirauch-Schutzstaffel“, wie sie sich derzeit als Vernadererpartie rund um den zwänglerischen Rechthaber Robert Rockenbauer formiert, braucht in diesem Land wirklich niemand.

7.1.2009 16:12