Mittwoch, 7. Jänner 2009

Christian Neuhold: Was Neuhold nervt - Peinliche Ferien-Debatte

Als Wähler und gelernter Österreicher ist man in Sachen Politiker ja einigen Kummer gewohnt. Doch die derzeit laufende Debatte über die Verkürzung der Ferienzeit des österreichischen Parlaments bringt auch langatmige Bürgerinnen und Bürger zur Weißglut. Da schlägt doch Barbara Prammer, 1. Nationalratspräsidentin (SPÖ) zu Jahresbeginn vor, die Ferienzeit des Parlaments auf einen Monat zu verkürzen. Denn derzeit dauert die Sommerpause der Frauen und Herren Abgeordnete fast drei Monate. Damit haben die Parlamentarier länger Urlaub als Lehrer und Schüler.

Der Aufschrei der Entrüstung, der sich in den Couleurs daraufhin breit macht, ist für einen Normalsterblichen nicht nachvollziehbar. Man arbeite ja auch in den Parlamentsferien, heißt es da. Und man müsse ja zu den Bürgern in die Wahlkreise. Das dauert eben seine Zeit. Daher gehe es nicht, dass man vielleicht nur im August Parlamentsferien abhält wie in den meisten zivilisierten Ländern der Welt üblich. Dabei vergessen die werten Parlamentarier aber, dass es ohnehin kaum durchgehende Parlamentswochen gibt, bei denen sich Plenar- und Ausschusssitzungen nahtlos aneinander reihen. Es steht den Abgeordneten also auch in ganz normalen Parlamentswochen genügend Zeit zur Verfügung, die sie außerhalb des Hohen Hauses etwa für Bürgersprechstunden nutzen können.

Betrachtet man die vielen Husch-Pfusch-Gesetzte der letzten Jahre, die meistens vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben und wieder an das Hohe Haus zur Verbesserung zurückgeschickt werden, dann würde ich jedem Parlamentarier dringend raten, den Vorschlag von Barbara Prammer anzunehmen um in Ausschüssen und im Plenum genauer zu arbeiten, länger im Vorfeld eines Beschlusses über die jeweilige Vorlage zu diskutieren – und nicht stolz darauf zu sein, dass man im Hohen Haus längere Ferien genießen kann denn als Lehrer oder Schüler. Oder hat der Aufschrei der Empörung etwas damit zu tun, dass sehr viele Parlamentarier im Vorleben eben Lehrer gewesen sind und sich daher beharrlich an einmal gelernte Urlaubszeiten klammern…

Ihre Meinung an: >neuhold.christian@news.at

7.1.2009 16:10