Mittwoch, 7. Jänner 2009

Gaslieferungen nach Österreich eingestellt:
Russland dreht ganz Europa den Gashahn zu

  • Versorgung der Kunden vorerst noch sichergestellt
  • Energielenkungsbeirat diskutiert Gegenmaßnahmen

Nach den gestrigen massiven Einschränkungen der Erdgasanlieferungen an Österreich, als nur rund 10 Prozent der russischen Importmengen nach Österreich geliefert wurden, wird derzeit kein russisches Erdgas mehr nach Österreich angeliefert. Trotz dieses Lieferausfalles sei aber die Versorgung der Kunden sichergestellt. Wirtschaftsminister Mitterlehner will daher noch keine Notverordnung erlassen.

Der Energielenkungsbeirat werde heute die Informationslage sondieren. Unter den derzeitigen Bedingungen in Bezug auf den Verbrauch und das Wetter werde die Versorgung bis auf weiteres durch Gasspeicher und die Inlandsproduktion sowie Importen aus Westeuropa sichergestellt, betonte er. Bis Freitag will Mittelehner laut ORF-Radio noch auf eine allfällige Entwarnung seitens der EU oder Gazproms warten.

Erste Engpässe werden bereits aus Osteuropa gemeldet. In Ungarn wurde der Erdgas-Konsum für die Industrie bereits eingeschränkt,
nach Rumänien ist die Gas-Zufuhr gänzlich zum Erliegen gekommen.

Auch nach Serbien wurden die Gaslieferungen komplett eingestellt. In neun Städten, darunter in der Hauptstadt der Vojvodina Novi Sad, gibt es nur gasbetriebene Heizwerke. Serbische Industriebetriebe wurden bereits aufgefordert aufgefordert, den Gasverbrauch zu reduzieren. Der Lieferstopp hat viele Serben verbittert, weil ihr Land erst kurz vor dem Jahreswechsel die nationale Erdölindustrie zu einem Niedrigpreis an Russland verkauft hatte. Im Gegenzug war eine sichere Gasversorgung verabredet worden.

Russland und Ukraine bestätigen Lieferstopp
Russland hat den kompletten Lieferstopp seines Gases inzwischen bestätigt. Die Ukraine habe die letzte von vier Transit-Leitungen für das russische Gas in die EU geschlossen, sagte der Vize-Chef des russischen Gasmonopolisten Gazprom, Alexander Medwedew

Die staatliche ukrainische Gasgesellschaft Naftogaz teilte ebenfalls mit, dass Russland seine Gaslieferungen über die Ukraine komplett gestoppt habe. Es fließe kein für europäische Kunden bestimmtes russisches Gas mehr durch die Pipelines in der Ukraine.

Die OMV Tochter EconGas hat derzeit rund 1,7 Mrd. m3 Erdgas eingelagert. Um die Versorgung weiterhin aufrechtzuerhalten, werden in vollem Umfang entsprechende Speichermengen zur Verfügung gestellt, also ins österreichische Leitungssystem eingespeist. Der aktuelle Ausfall von russischem Erdgas könne derzeit zur Gänze über die Speicher kompensiert werden.

Energielenkungsbeirat diskutiert Maßnahmen
Der vom Bundesministerium für Wirtschaft für heute einberufene Energielenkungsbeirat werde zusätzlich mögliche Szenarien für die österreichische Versorgung diskutieren, um notfalls auch den Gasverbrauch von großen Industrieunternehmen zu Spitzenverbrauchszeiten einzuschränken. Der Gasbedarf für Haushalte und Gewerbe sei davon keinesfalls betroffen und jedenfalls sichergestellt.

OMV/EconGas seien weiterhin in laufendem Kontakt mit Gazprom/Gazprom export und den verantwortlichen Behörden in Österreich, hieß es. Rund 51 Prozent der Erdgasaufbringung Österreichs stammen aus Russland.
(apa/red)

7.1.2009 16:37