Freitag, 9. Jänner 2009

Götterdämmerung erfasst Fußballhimmel:
Nur Manchester trotzt der Wirtschaftskrise

  • FORMAT: Manchester City schwimmt in Öl-Millionen
  • Kein Grund zur Panik besteht bei Stadtrivalen United

Die beste Liga der Welt, die Premier League, schlittert in die Krise. Nur in Manchester ticken die Uhren noch anders. ManU ist trotz Pleite-Sponsor top. Und Konkurrent City schwimmt seit dem Einstieg der Abu Dhabi United Group in Öl-Millionen. Deshalb glaubt man hier an eine ganz neue Chance.

Vor dem VIP-Eingang des Manchester-City-Stadions klopfen sich zwei Sympathisanten freundlich auf die Schulter, wünschen sich ein gutes neues Jahr und begrüßen einander beim „reichsten Fußballklub der Welt“. Und grinsen breit, während sie an den Erzrivalen Manchester United denken.

Dieser Erzrivale schlägt aber am nächsten Tag problemlos den Zweitligisten Southampton mit 3:0 und qualifiziert sich damit für die vierte Runde im FA-Cup. City hingegen, der Klub, der in Milch und Honig schwimmt, blamiert sich in Manchester vor 30.000 Zuschauern mit 0:3 gegen den Zweitligisten Nottingham Forest. Die 90 Minuten City-Kick wirken dabei wie eine Abziehfolie der vergangenen sechs Monate: Es fehlt an Präzision, Einsatz und Struktur – alles Mangelerscheinungen, die auftreten, wenn es einer Mannschaft an Typen und Persönlichkeiten fehlt, die in schwierigen Phasen die Verantwortung übernehmen und die Teamkollegen mitziehen.

Genau deswegen wurde der brasilianische Wunderknabe Robinho nach Manchester zu den Blauen geholt. Als Star, der die Mannschaft mitreißt. Dass er verletzungsbedingt das Cupmatch auslassen musste, zeigt die Malaise eines Klubs, der sich nur auf Namen und Stars verlässt, die, wenn sie nicht zünden, einen ganzen Klub nach unten ziehen.

Orientalisches Märchen
Das Märchen begann für City im vergangenen August. Mit einem Schlag wurde aus dem notorischen Mauerblümchen, das immer im Schatten seines übermächtigen Lokalrivalen Manchester United stand, der reichste Klub der Welt. Um kolportierte 230 Millionen Pfund übernahm die im Ölreichtum schwimmende Abu Dhabi United Group (ADUG) den schwächelnden Traditionsverein Manchester City. Als neuer Besitzer stellte sich Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan, Mitglied der königlichen Familie des Emirats Abu Dhabi, vor. Der Klub war damit nicht nur mit einem Schlag schuldenfrei, sondern kommt seither auch mit breiter Brust daher: Als erster Coup wurde der 40-Millionen-Pfund-Einkauf Robinho präsentiert. Das 24-jährige Wunderkind aus Brasilien, bewies allerdings schon bei seinem ersten Auftritt vor der Presse die Entfremdung zwischen Spielern und Vereinen: Robinho konnte sich bei seiner ersten Pressekonferenz nach Vertragsunterzeichnung partout nicht an den Namen seines neuen Vereins erinnern.

Vollmundige Transferansagen
Trotzdem, die Show muss weitergehen. Und so tönen die arabischen Investoren von nun an im Wochenrhythmus, welche neuen Stars der Klub kaufen will. Bewegen wollen dabei die Ölscheichs sagenhafte Summen von 650 Millionen Euro in den kommenden Jahren.

Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch wurde vor Ausbruch der Finanzkrise auf ein Privatvermögen von 22 Milliarden Euro geschätzt. Der Ölreichtum von Scheich Mansour wird hingegen auf unvorstellbare 610 Milliarden Euro taxiert. Kein Wunder also, dass es nach der Robinho-Verpflichtung hieß: „Das ist der Anfang, weitere Stars werden folgen.“ Auf der Wunschliste standen Namen wie Startrainer José Mourinho und Fabel-Kicker wie Lionel Messi, Kaká, Fernando Torres und Cristiano Ronaldo von Manchester United. In der Zwischenzeit gibt man es bei ManCity billiger. Wegen der ausbleibenden Erfolge schrecken die großen Namen inzwischen vor einem Wechsel zu den Neureichen zurück.

Manchester United gut betettet
Für den Stadtrivalen United ist klar: Auch die Red Devils stehen angesichts der prekären finanziellen Situation in der Premier League nicht schlecht da: „Die Mannschaft ist stark, und die Einnahmen aus TV-Geldern und Merchandising sorgen weiter für hohe Umsätze.“ Und Hauptsponsor AIG, jener Versicherungsgigant, der im November vergangenen Jahres vom US-Steuerzahler gerettet werden musste, hat bisher noch keinen vorzeitigen Vertragsausstieg bekannt gegeben. Damit bleiben ManU auch die 66 Millionen Pfund jährlich, eine Rekordsumme an Sponsorgeld, vorerst sicher. Dennoch gibt man sich in Old Trafford in der laufenden Transferzeit etwas vorsichtiger als in vergangenen Jahren. United-Coach Alex Ferguson will es im Jänner bei einem einzigen Einkauf belassen und gab nach der Verpflichtung des 21-jährigen Serben Zoran Tosic bekannt: „Das war definitiv unser einziger Einkauf in dieser Transferzeit.“

AIG versus Öl-Millionen. Manchester steht aber – Manchester Uniteds Erfolge hin oder her – für etwas anderes: einen Paradigmenwechsel im internationalen Fußball. Aufgrund des enormen Reichtums der arabischen Ölmagnaten werden Einstiege von Scheichs im europäischen Fußball in Zukunft häufiger werden. Zumindest so lange, wie man mit Öl das große Geld verdienen kann. Denn die notorisch überschuldete Premier League mit ihren Sponsoren aus dem Finanzbereich wird sich die überhöhten Spielergehälter und die Lizitation nach oben nicht mehr allzu lange leisten können. Dafür springen die Ölscheichs mit Handkuss in die Bresche.

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9.1.2009 12:54