Samstag, 10. Jänner 2009

Ein Youngster spitzt auf den großen Coup:
Gute Aussichten für Hirscher in Adelboden

  • 19-Jähriger übt Kritik am realitätsfremden Skizirkus
  • Hirscher könnte in Frankreich gleich dreimal starten

Trotz seines Ausfalls in Zagreb bestätigt Marcel Hirscher auch in seiner zweiten Saison im alpinen Ski-Weltcup sein Ausnahmetalent. Am Wochenende tritt der 19-jährige österreichische Senkrechtstarter bei den Technik-Rennen in Adelboden an, also dort, wo Hirscher vor einem Jahr mit Startnummer 48 als Slalom-Neunter erstmals im Weltcup für Schlagzeilen gesorgt hat. Trotz des recht steilen Aufstiegs hat Hirscher den Bodenkontakt nicht verloren.

"Teilweise glauben ja schon die kleinen Kinder, dass sie Stars sind", meint Hirscher, dass der oft realitätsfremd wirkende Ski-Rummel in Österreich dem einen oder anderen Youngster nicht wirklich gut tut. "Auch wenn du viermal Schülermeister wirst, dann ist das nur ein kleiner Baustein von tausenden", so der Salzburger, der diese gesunde Einstellung von seinem Vater Ferdinand, der die Skischule Annaberg betreibt, mit auf den Weg bekommen hat.

Am 6. Jänner 2008 hatte Hirscher im Slalom von Adelboden Rang neun belegt und damit sein Können erstmals auf der großen Weltcup-Bühne präsentiert. Seitdem geht es für ihn - auch im Riesentorlauf und teilweise in der Super-Kombination - stetig bergauf. Die bisherigen Highlights sind die drei dritten Plätze in Kranjska Gora (Slalom), Bormio (Slalom) und Val d'Isere (Super-Kombi).

Doch Hirscher bleibt selbstkritisch, vor allem mit seiner Form zu Saisonbeginn war der dreifache Junioren-Weltmeister alles andere als zufrieden. "Aber schön langsam finde ich wieder zu meiner Form, zu diesem spielerischen Skifahren." Wenn Hirscher diese Form auch in den kommenden Wochen, in denen die Slaloms in Adelboden (Sonntag), Wengen, Kitzbühel, Schladming und Garmisch-Partenkirchen warten, ausspielt, dann könnte es ohne weiteres mit der Teilnahme bei der WM in Val d'Isere klappen.

Vergleich mit Raich
Gleich drei Starts könnten es bei den Titelkämpfen in Frankreich werden, Hirscher hat nämlich in Slalom, Riesentorlauf und Super-Kombi realistische Chancen auf ein Ticket. Im Riesentorlauf stellt der Klassiker heute in Adelboden bereits die letzte Quali-Chance dar, danach findet bis zum WM-Showdown am 13. Februar, also über einen Monat, kein Weltcup-Rennen in dieser Disziplin statt.

Nicht zuletzt aufgrund des noch geringen Alters drängen sich durchaus Vergleiche zwischen Hirscher und dem jungen Benjamin Raich auf. Raich hatte seinen Erfolgsrun so richtig im Jänner 1999 gestartet, damals war der Pitztaler 20 Jahre jung. "Eine gewisse Ähnlichkeit ist aufgrund des Alters sicher da", meinte Hirscher, der jedoch sofort hinzufügte: "Es wäre natürlich wunderschön, solche Erfolge zu feiern. Aber zu sagen, dass man so viel erreichen möchte wie Raich, ist eigentlich vermessen."

Um in Raich-Sphären vorzudringen, braucht Hirscher wahrlich noch einige Erfolge, der 30-Jährige Tiroler hat bis dato u.a. zweimal Olympia-Gold, zweimal WM-Einzel-Gold, einen Gesamt-Weltcup-Sieg, fünf Disziplinen-Weltcup-Kugeln und 32 Weltcup-Erfolge eingefahren.
(apa/red)

10.1.2009 07:57