Samstag, 10. Jänner 2009

Schlierenzauer überflügelte am Kulm die Konkurrenz: Sieg mit neuem Schanzenrekord

  • Gewinnt mit sensationellen 215,5 Metern vor Ammann
  • ÖSV-Adler top: Koch Dritter, Morgenstern 6., Loitzl 7.

In einem Fahnenmeer und unter dem Jubel von rund 50.000 Zuschauern hat Gregor Schlierenzauer am Kulm den Nimbus der Unbesiegbarkeit auf den größten Schanzen gewahrt. Der 19-jährige Tiroler segelte im zweiten Durchgang des Weltcup-Skifliegens auf die Rekordmarke von 215,5 Meter und fing damit den Schweizer Simon Ammann noch ab. Schlierenzauer feierte seinen dritten Saisonsieg, den insgesamt 14 seiner Karriere.

Der Doppel-Weltmeister (199,5/215,5 m), der alle seine fünf bisherigen Skiflug-Bewerbe (zuvor zweimal bei WM in Oberstdorf, zweimal in Planica) gewonnen hat, setzte sich 7,9 Punkte vor dem Schweizer Simon Ammann (207,5/195,5) und 11,2 vor seinem Teamkollegen Martin Koch (197,5/209,0) durch. Lokalmatador Wolfgang Loitzl wurde hinter Thomas Morgenstern Siebenter.

Volles Risiko im zweiten Durchgang
Schlierenzauer hatte bei der Tournee mit drei vierten Plätzen seine eigenen, hohen Erwartungen nicht erfüllt. Beim Skifliegen sollte alles anders werden, da war er sicher. "Er war richtig scharf drauf, und er ist entfesselt gesprungen", betonte Cheftrainer Alexander Pointner. Der Teenager aus dem Stubaital riskierte im Finale, das auch Vizekanzler Josef Pröll gespannt verfolgte, alles. "Da ist mir wirklich ein Superflug gelungen, ein unbeschreibliches Gefühl. Dass es auch noch Schanzenrekord wurde ist super", sagte Schlierenzauer, der seine Vorzüge einmal mehr perfekt ausspielte. "Ich fühle mich wohl beim Skifliegen, ich spiele mit der Luft."

Hannawalds Schanzenrekord gebrochen
Er übertraf den bisherigen Schanzenrekord des Deutschen Sven Hannawald aus dem Jahre 2003 um eineinhalb Meter, stand den Sprung aber nur mit Mühe. "Es hat brutal wehgetan, gleich danach habe ich kurz einen Krampf bekommen, aber es ist zum Glück nichts passiert", erklärte Schlierenzauer. Noch weitere Flüge seien aber kaum noch möglich, sagte er.

Ammann musste wie am zweiten Tag in Engelberg und dreimal bei der Tournee den Österreichern die Lufthoheit überlassen, behielt aber die Weltcup-Führung. Der Tournee-Zweite hatte nach dem ersten Durchgang 10,1 Punkte vor Schlierenzauer geführt und äußerte sich nach Rang zwei kritisch gegenüber der Jury, die trotz seiner großen Weite von 207,0 Metern den Anlauf vor dem Finale verlängert hatte. "Es ist verrückt, dass verlängert wird, wenn ich sieben Meter über die Hillsize springe, man sollte auch auf unsere Gesundheit schauen", meinte der fünffache Saisonsieger, der aber nochmals nach dem Sieg greifen will.

Vize-Weltmeister Martin Koch erreichte Rang drei und war sehr zufrieden. Der Kärntner wartet zwar noch immer auf seinen ersten Sieg, doch der zwölfte Podestplatz seiner Karriere nach einem Finalflug auf 209 Meter brachte ihn weiter. "Ich habe mich sehr gesteigert, morgen ist ein neuer Tag, ich pirsche mich ran", sagte Koch. Einen weiteren Schritt nach oben tat auch Thomas Morgenstern. Der Weltcupsieger verbesserte sich mit einem 200,5-m-Flug im Finale von Rang neun auf sechs. Debütant Markus Eggenhofer landete an der 15. Stelle.

Seriensieger Loitzl unzufrieden
Tourneesieger Wolfgang Loitzl vermochte die hohen Erwartungen hingegen nicht ganz zu erfüllen. Nach starkem Training war er nach dem ersten Durchgang Dritter (196,0 m), ein nicht ganz geglückter Finalflug auf 186,0 Meter warf den Mitterndorfer aber auf Rang sieben zurück. Das beste Flugresultat seiner Karriere (zuvor Platz 14 am Kulm) stellte Loitzl nach drei vorangegangenen Siegen nicht zufrieden, er stapfte wortlos aus dem Auslauf.


Endklassement 12. Bewerb/Bad Mitterndorf auf dem Kulm:
1.Gregor SchlierenzauerAUT398,0 (199,5/215,5)
2.Simon AmmannSUI390,1 (207,5/195,5)
3.Martin KochAUT386,8 (197,5/209,0)
4.Anders JacobsenNOR371,3 (187,5/201,5)
5.Ville LarintoFIN368,8 (187,5/199,0)
6.Thomas MorgensternAUT367,3 (183,5/200,5)
7.Wolfgang LoitzlAUT366,4 (196,0/186,0)
8.Emmanuel ChedalFRA363,8 (183,5/198,0)
9.Matti HautamäkiFIN360,4 (184,0/195,5)
10.Anders BardalNOR355,9 (183,0/191,5)
11.Harri OlliFIN355,4 (185,0/194,5)
12.Robert KranjecSLO349,9 (182,5/189,5)
13.Martin SchmittGER348,6 (181,5/191,5)
14.Roar LjökelsöyNOR342,0 (177,5/187,5)
15.Markus EggenhoferAUT335,2 (180,5/180,5)
16.Tom HildeNOR329,1 (182,0/178,5)
17.Sigurd PettersenNOR327,0 (176,5/178,5)
18.Björn Einar RomörenNOR323,7 (173,0/180,5)
19.Michael NeumayerGER318,7 (173,5/180,0)
20.Johan Remen EvensenNOR317,3 (165,0/184,0)
21.Michael UhrmannGER315,4 (165,5/181,5)
22.Pawel KarelinRUS312,7 (172,5/173,5)
23.Nicholas FairallUSA307,3 (173,5/170,5)
24.Lukas HlavaCZE300,3 (171,5/165,0)
25.Vincent Descombes SevoieFRA296,7 (167,5/166,0)
26.Jakub JandaCZE289,9 (164,5/162,5)
.Sebastian ColloredoITA289,9 (160,0/169,5)
28.Felix SchoftGER284,3 (159,5/164,5)
29.Tami KiuruFIN279,6 (166,0/154,5)
30.Johan ErikssonSWE279,0 (167,5/157,5)
Weiter:
36.Balthasar SchneiderAUT100,6 (146,5)


(apa/red)

10.1.2009 18:33