Loitzl nimmt sich für Flugschanze viel vor:
Tournee-Sieger reist in Überform zum Kulm
- Flieger-Ass Schlierenzauer gibt sich kämpferisch
- Martin Koch denkt an den ersten Sieg im Weltcup
Wolfgang Loitzl hat die Skiflug-Schanze am Kulm aus der Perspektive des Zuschauers erkundet. Der Tourneesieger kam mit Gattin Marika und seinen zwei kleinen Söhnen Benjamin und Nikolas zum Schauplatz der zwei Weltcup-Bewerbe am Wochenende und sah sich das Einfliegen durch Vorspringer an. "Ich wollte einmal schauen, wie weit Hubert Neuper ausgesteckt hat. Die Taferl gehen bis 225 Meter, aber so weit will ich nicht hupfen", erklärte der Lokalmatador aus Bad Mitterndorf. Der Schanzenrekord steht bei 214 Meter, viel weitere Flüge sind wohl kaum möglich.
Vor Medien plauderte Loitzl erstmals nach seinem Triumph locker über Erreichtes und seine nächsten Pläne. Zwei Tage lang hatte er im Kreise seiner Familie abgeschaltet. "Die Kinder haben nur eine Gaudi gehabt, dass ich wieder daheim war, denen war es egal, wievielter ich geworden bin", erzählte der fast 29-Jährige.
Für die Heimbewerbe hat er sich viel vorgenommen, obwohl er bisher auf Flugschanzen nicht hervorgestochen ist. In den bisherigen Weltcup-Bewerben am Kulm gab es keine Top-Ten-Ränge, das Verpassen eines Platzes im ÖSV-Team für die WM 2006 war ein Negativ-Erlebnis. Doch nun ist die Situation völlig anders. "Ich möchte mit Spaß und Genuss fliegen gehen. Mit dem Ziel, mir, meinen Kollegen und den Betreuern zu beweisen, dass ich auch ein guter Flieger sein kann. In dieser Form traue ich mir auch beim Fliegen einiges zu", sagte Loitzl, der zwar der Team-Senior ist, aber keinen Gedanken an ein Karriere-Ende verschwendet.
Schlierenzauer kämpferisch
Toni Innauer, dessen Top-Note von fünfmal 20,0 aus dem Jahr 1976 von Loitzl in Bischofshofen eingestellt wurde, ist neugierig, wie sich der aktuelle Überflieger am Kulm schlägt. "Ich bin gespannt, wie es ihm mit dem neuen Selbstvertrauen und dem Gefühl für neue Nuancen im Sprung gehen wird", sagte der ÖSV-Sportdirektor. Wenn man in Form sei, sei es herrlich, Skifliegen zu gehen.
Dieses Hochgefühl wollen auch die Spezialisten Gregor Schlierenzauer und Martin Koch auskosten. Weltmeister Schlierenzauer, der mit der Tournee nicht ganz zufrieden war, gab sich am Abend vor seinem ersten Flug von dieser Schanze kämpferisch. "Ich weiß, dass ich der derzeit weltbeste Skiflieger bin, das möchte ich umsetzen", sagte der 19-Jährige, der zugab, dass es immer ein mulmiges Gefühl sei, nach längerer Pause wieder zu fliegen. Schlierenzauer hat alle seine bisherigen Konkurrenzen auf Flugschanzen (WM 2008 sowie zwei Weltcups in Planica 2008) gewonnen. "Ich bin ungeschlagen, es wäre schön, wenn das so weitergeht."
So wie Loitzl vor der Tournee ist auch Martin Koch hingegen noch ohne Weltcupsieg. Nach rund einem Dutzend Podestplätzen will sich der Kärntner aber dennoch nicht auf Platzierungen festlegen. "Ich möchte Spaß haben und gute Sprünge zeigen", wiederholte er frühere Aussagen. Die WM in Liberec sei sein großes Saisonziel, aber der heuer nach längerer Pause wieder ausgeschriebene Skiflug-Weltcup hat es ihm ebenfalls angetan. "So eine kleine Kristallkugel hätte ich schon gerne daheim."
(apa/red)
