"Allgemeine Warnung" auf Flugblättern: Israel kündigt neue Phase der Offensive an
- Hamas will keine internationalen Beobachter in Gaza
- Steinmeier auf Vermittlungsmission im Nahen Osten
·Israel kündigt neue Militäroffensiven an
"Allgemeine Warnung" auf Flugblättern in Gaza
·Dutzende Tote bei Angriff auf UNO-Schule
Bodenoffensive Israels trifft weitere Unschuldige
·Israels Sportler im Ausland unter Druck
Athleten sehen sich mit Protesten konfrontiert
·BILDER von Trauer und Wut aus Nahost
Verheerende Opferbilanz nach Luft- & Bodenkampf

Zwei Wochen nach Beginn ihrer Militäroffensive im Gazastreifen haben die israelischen Streitkräfte eine "neue Phase" im Kampf gegen die Hamas angekündigt. Nach Militärangaben warf die Luftwaffe über dem gesamten Gazastreifen Flugblätter ab, in denen die Bevölkerung aufgerufen wurde, zu ihrer eigenen Sicherheit den israelischen Anordnungen zu folgen. Nach palästinensischen Angaben kamen am Samstag erneut 31 Menschen durch israelische Militäraktionen ums Leben.
In den Flugblättern wurden die Menschen vor einer Unterstützung der Hamas gewarnt. Israel kämpfe nicht gegen die palästinensische Zivilbevölkerung, sondern nur gegen die Hamas und Terroristen, hieß es in den in Arabisch verfassten Flugblättern, die als "allgemeine Warnung" bezeichnet wurden.
Aus Militärkreisen verlautete, die Streitkräfte seien auf eine dritte Stufe der Offensive vorbereitet, bei der die Bodentruppen noch weiter in das Autonomiegebiet vorstoßen würden. Den Gewährsleuten zufolge haben die Streitkräfte auch schon eine vierte Stufe geplant, die die vollständige Wiederbesetzung des Gazastreifens und den Sturz der dort regierenden Hamas vorsieht.
Angriffe gehen weiter
Ungeachtet der Forderung des Weltsicherheitsrates nach einer sofortigen Waffenruhe setzten Israel und die Hamas ihre Angriffe fort. Israelische Kampfjets griffen nach Militärangaben in der Früh mutmaßliche Extremisten sowie Abschussrampen für Raketen, Waffenlager und Tunnels an. 15 Militante seien bei Kämpfen getötet worden. Am Abend wurden bei weiteren israelischen Luftschlägen neun Menschen getötet, wie Augenzeugen berichteten. Die Gesundheitsbehörde sprach von insgesamt 31 Toten am Samstag.
Israel wies jedoch Berichte zurück, bei einem Panzerangriff in Jebaliya am Vormittag seien neun Zivilisten getötet worden. Es habe dort gar keine Angriffe gegeben, so die Armee. Das israelische Militär bestritt auch energisch, vor zwei Tagen einen UNO-Konvoi im Gazastreifen beschossen und dabei zwei Mitarbeiter des Hilfswerks UNRWA getötet zu haben.
Dagegen gab die israelische Armee bekannt, den Hamas-Kommandeur Amir Mansi getötet zu haben, den Sohn von Hamas-Telekommunikationsminister Yussef Mansi. Der bewaffnete Arm der Hamas, die Ezzedin-al-Kassam-Brigaden,
bestätigten dies. Amir Mansi soll für den Raketenbeschuss von Israel in Gaza verantwortlich gewesen sein. Nach israelischen Armeeangaben wurden insgesamt bereits 300 Hamas-Kämpfer im Gazastreifen getötet.
Beschuss in Südisrael
Auch der Raketenbeschuss Südisraels ging weiter. Am Samstag schlugen wieder mindestens 15 Raketen aus dem Gazastreifen ein. In Ashkelon wurde dabei ein Haus stark beschädigt, zwei Menschen wurden leicht verletzt.
Seit Beginn der israelischen Offensive am 27. Dezember kamen nach palästinensischen Angaben schon mehr als 800 Menschen im Gazastreifen ums Leben. Auf israelischer Seite gab es 13 Tote. Um Rettungskräften und Hilfsorganisationen Gelegenheit zur Versorgung der Bevölkerung zu geben, unterbrach Israel erneut seine Angriffe für drei Stunden. Helfer beklagten allerdings, dass diese Zeit viel zu gering sei.
Verhandlungen am Ende
Der Krieg im Gazastreifen hat nach Worten des politischen Führers der Hamas, Khaled Mashaal, die letzte Chance für Verhandlungen mit Israel zunichtegemacht. Im arabischen Fernsehsender Al Jazeera verurteilte Mashaal in scharfer Form die israelische Militäroffensive und sprach von einem "Holocaust".
Er bekräftigte zugleich die Forderung nach einem sofortigen Ende der israelischen Angriffe im Gazastreifen, einem vollständigen Abzug der israelischen Truppen und der Öffnung aller Grenzübergänge zu dem von seiner Organisation regierten palästinensischen Autonomiegebiet. Erst dann werde die Hamas einer Waffenruhe zustimmen, so Mashaal.
Steinmeier in Kairo
Während sich der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas für die Entsendung einer internationalen Treuppe in den Gazastreifen aussprach, plädierte der deutsche Außenminister Steinmeier in Kairo einen "Arbeitsplan" für einen dauerhaften Waffenstillstand. Nach einem Gespräch mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak sagte er, die jüngste UNO-Resolution sei ein "wichtiger Schritt auf dem Weg, die Waffen zum Schweigen zu bringen". Als sich Steinmeier am ägyptischen Grenzposten Rafah ein Bild von der Lage machte, schlug ganz in der Nähe ein israelisches Geschoß ein. "Natürlich spüren und hören wir, dass das hinten noch gekämpft wird", sagte der deutsche Chefdiplomat, der am Sonntag mit israelischen Regierungsvertretern zusammenkommen wollte.
US-Präsident George W. Bush sprach sich nach Angaben der EU für einen baldigen Waffenstillstand im Gazastreifen aus. In einem Telefonat mit dem tschechischen EU-Ratspräsidenten Mirek Topolanek habe Bush für einen Waffenstillstand "so bald wie möglich" plädiert, teilte die Ratspräsidentschaft in einer französischsprachigen Erklärung mit. In der englischen Fassung war von einem "sofortigen" Waffenstillstand die Rede.
(apa/red)
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