Dienstag, 6. Jänner 2009

Israels Angriffe immer massiver: Panzer rücken in Hamas-Hochburg Khan Younis ein

  • Lage der Bevölkerung im Gaza-Streifen dramatisch
  • UNO: "Alle hier sind terrorisiert und traumatisiert"

Nach zehn Tagen ununterbrochener israelischer Angriffe wird die Lage der palästinensischen Bevölkerung im Gaza-Streifen immer kritischer. Das Internationale Komitee vom Rote Kreuz (IKRK) sprach von einer "humanitären Krise" in vollem Ausmaß. Die israelische Armee hat ihre Bodenoffensive ausgeweitet und der Hamas schwere Gefechte geliefert. Israelische Panzer rollten nach Angaben von Augenzeugen in Khan Younis ein, auch in Gaza, Beit Lahia und anderen Städten wurde gekämpft. Eine Hamas-Delegation beriet in Kairo über eine Waffenruhe, die Israels Regierungschef Ehud Olmert zuvor abgelehnt hatte.

Israel will einer Waffenruhe nur im Falle verbindlicher Zusagen über einen Stopp der Raketenangriffe und des Waffenschmuggels zustimmen. Olmert sagte nach Angaben des Rundfunks, Israel habe sich nicht der Illusion hingegeben, dass es bei dem Militäreinsatz keine israelischen Opfer geben werde. Zentrales Ziel sei es weiter, für Ruhe im Süden Israels zu sorgen.

Die Nacht auf heute sei nach Informationen von IKRK-Mitarbeitern die "bisher schrecklichste" gewesen, sagte Delegationsleiter Pierre Krähenbühl in Genf. "Niemand ist sicher im Gaza-Streifen", sagte der Leiter der UNO-Vertretung in Gaza, John Ging, nach einem Luftangriff auf eine als Flüchtlingsunterkunft genutzte Schule des UNRWA-Hilfswerks der Vereinten Nationen. "Alle hier sind terrorisiert und traumatisiert." Er warf der internationalen Gemeinschaft vor, nichts gegen die Eskalation der Gewalt zu unternehmen.

Die Zahl ziviler Opfer ist nach Angaben eines norwegischen Arztes stark gestiegen. Mads Gilbert, der in einem Krankenhaus in Gaza arbeitet, sagte der "Süddeutschen Zeitung" und dem Berliner "Tagesspiegel" in einem Telefongespräch: "Wir amputieren am laufenden Band. Die Korridore sind voll mit Verstümmelten." Der Narkosearzt, der im Shifa-Hospital in Gaza hilft, sagte in dem am Dienstag veröffentlichten Interview, bisher seien 117 Kinder getötet und 744 verletzt worden. Der Arzt stellte die Lage im Shifa-Hospital, mit 590 Betten das größte Krankenhaus im Gaza-Streifen, als dramatisch und sich rapide verschlechternd dar. Es sei eine Moschee nahe der Klinik bombardiert worden. Alle Scheiben des Krankenhauses seien zerstört worden. "Er sind im Moment sieben Grad Celsius draußen, alle Patienten frieren", sagte er.

Sarkozy fordert von Syrien Druck auf Hamas
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat auf seiner Vermittlungsreise Syrien aufgefordert, die Hamas dazu bringen, ihre Raketenangriffe auf Israel einzustellen und sich mit der Fatah von Präsident Mahmoud Abbas zu einigen. Nach Gesprächen mit Syriens Staatschef Bashar al-Assad in Damaskus sagte Sarkozy am Dienstag, die Israelis müssten ihrerseits ihre Angriffe auf den Gaza-Streifen einstellen und die Grenzübergänge öffnen. Er habe bei seinem Besuch in Israel am Vortag betont, dass es für die Probleme im Gaza-Streifen "keine militärische Lösung gibt". Assad ging auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Sarkozy nicht auf die Forderung seines Gastes ein. Er verlangte ein Ende der "barbarischen" israelischen Angriffe. Syrien unterstützt die Hamas, deren Politbürochef Khaled Mashaal in Damaskus lebt.

(apa/red)

6.1.2009 14:46