Mittwoch, 7. Jänner 2009

Mumbai-Drahtzieher saßen nicht in Indien:
Telefonate der Attentäter ins Netz Pakistans

  • Anweisungen zu Morden per Handy durchgegeben
  • Auch Waffen und Ausrüstung stammten aus Pakistan

Indien erhöht in den Ermittlungen um die Anschläge von Bombay den Druck auf Pakistan. Sein Land werde sich alle Optionen offenhalten, um Terrorgruppen wie die Attentäter von Bombay unschädlich zu machen, sagte der indische Verteidigungsminister A. K. Antony. Er warf dem Nachbarland Pakistan vor, nach den Attentaten habe es dort keine ernsthaften Versuche gegeben, die Hintermänner aufzudecken. Welche konkreten Optionen Indien in Betracht zieht, sagte Antony nicht.

Indien hat sich mehrfach unzufrieden über die Reaktion des Nachbarlands auf die Anschläge in der Finanzmetropole am 26. November gezeigt. Das Land macht die in Pakistan ansässige Islamisten-Gruppe Lashkar-e-Taiba (LET) für die 179 Todesopfer von Ende November verantwortlich. Nach Worten von Ministerpräsident Manmohan Singh waren darin auch staatliche Stellen des Nachbarlandes verwickelt.

Attentäter aus Pakistan
Einem Bericht des pakistanischen Fernsehsenders Dawn News zufolge stammt der überlebende Attentäter von Bombay aus Pakistan. Das Informationsministerium in Islamabad bestätigte dies. Bisher hatte es aus Islamabad immer geheißen, der Verdächtige sei nicht in Pakistan registriert. Pakistanische Stellen hatten die Nationalität des Festgenommenen Mohammed Ajmal Kasab bisher aber nicht bestätigt.

Zu Wochenbeginn hatte Indien Pakistan Beweismaterial zu den Anschlägen übergeben. Die Regierung in Neu-Delhi verlangt die Zerstörung von Extremistenlagern und die Auslieferung von 40 Verdächtigen. Pakistan will die Beweise zunächst prüfen. Ministerpräsident Raza Gilani sagte seine vollständige Kooperation zu.

Geheimdienste aktiv
Die LET war Ende der 80er Jahre von pakistanischen Geheimdiensten gegründet worden, um indische Soldaten in Kaschmir zu bekämpfen. In Teilen der pakistanischen Armee gilt sie im Falle eines erneuten Krieges mit Indien als nützliches Instrument. Beobachtern zufolge könnte dies einer vollständigen Aufklärung der Attentate im Wege stehen, die als Grundvoraussetzung für die Entspannung des Verhältnisses beider Staaten gilt.

Als weiteres Anzeichen für eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen den beiden Atommächten werten Experten die verstärkten Bemühungen Indiens, seine veraltete Luftwaffe zu modernisieren. Indiens Mig-27-Kampfflugzeuge sollen nach offiziellen Angaben vom Mittwoch für 92 Millionen Dollar mit neuen Navigations- und Zielsuchsystemen ausgerüstet werden. Mit der Nachrüstung könnten die in den 70er Jahren in der Sowjetunion entworfenen und von Indien in Lizenz nachgebauten Flugzeuge noch weitere zehn Jahre eingesetzt werden, erklärte ein ranghoher Offizier der Luftstreitkräfte. Indien will insgesamt 30 Milliarden Dollar in die Modernisierung seines Militärs stecken.
(apa/red)

7.1.2009 21:37